GERMAN CHURCH SCHOOL
ADDIS ABEBA
Von Januar bis Mai 2000

Liebe Freundinnen und Freunde der GCS!

Das neue Jahrtausend ist vier Monate jung. Es wird Zeit, einen aktuellen Rundbrief auf den Weg zu bringen, denn wir haben wieder vieles mitzuteilen: Schönes und Schweres, Informatives und Nachdenkliches.

Wie in der letzten Ausgabe angekündigt, sind Pastor Krause und seine Frau am 5. Februar gesund in Addis Abeba gelandet. Bereits am 6. Februar wurden sie mit einem festlichen Einführungsgottesdienst begrüßt. Eigens hierfür waren Bischof Koppe und OKR Faigle aus Deutschland angereist, und weil es gerade die Zeit der offiziellen Treffen und Versammlungen war, konnten viele Ehrengäste an dem schönen Ereignis teilnehmen. Gerlind und Hans-Joachim Krause kommen aus der Evang. Kirche von Kurhessen-Waldeck (Wetter/Marburg) und haben in einem Straßenkinderprojekt der Mekane-Yesus-Kirche in den 90er Jahren intensiv gearbeitet.
Nun sind sie ganz hier und für die nächsten Jahre werden sie die kontinuierlichen Ansprechpartner für alle Ihre Fragen sein.

Einen Tag nach der Einführungsfeier brach in der Nachbarschaft des Kirch- und Schulgrundstücks ein furchtbarer Brand aus. 110 arme Familien verloren alles, was sie besaßen: das notdürftige Dach über dem Kopf, die wenigen Möbelstücke, Matratzen, Schuluniformen der Kinder und sonstige Materialien, die für den Schulbesuch nötig sind. Auch 23 unserer GCS Kinder und ein Nachtwächter sind mitbetroffen. Wir haben uns entschlossen, für jede der 110 Familien einen Kerosinkocher und Matratzen und für drei Wochen Brot zu kaufen. In unserer Kirche wurden Kleiderspenden gesammelt und gerne gegeben.
Sicher können Sie sich vorstellen, daß der Kontrast der beiden aufeinanderfolgenden Tage erst einmal verkraftet werden mußte.

In der German Church School gibt es ebenfalls einige Neuigkeiten zu berichten. Die Evaluierungsprogramme sind abgeschlossen, nun warten wir alle gespannt auf die Abschlußberichte. Auf dem Kirchengrundstück konnte man während der Evaluierung die verschiedensten Menschen beobachten. So saßen abwechselnd das Kollegium der Schule, Schülerinnen und Schüler, Eltern und offizielle Vertreter der politischen Gemeinde in Gruppen zusammen und diskutierten unter Anleitung des Teams die brennenden Themen der Schule aus der ihnen je eigenen Perspektive. Es wurde uns einmal mehr klar, wie wichtig die Arbeit ist, die hier getan wird und wie dankbar besonders die Eltern dafür sind, daß ihren Kindern eine Zukunftsperspektive geschenkt wird. Betont wurde auch wiederholt, daß die Unterstützung, die die Familien während der Schulzeit der Kinder erfahren, für viele die einzige verläßliche Einnahme im Monat darstellt. Die vielfältigen Vorschläge, wie unsere Arbeit noch mehr mit den Armen getan werden und sich noch mehr als bisher auf die Förderung von Mädchen konzentrieren kann, reichen von der Einrichtung eines Elternbeirates bis zum Aufstocken der Schule bis Klasse 10.

Weitere Vorschläge sind: die Bibliotheksstunden zu erweitern, Ethikunterricht auch in den regulären Klassen der GCS einzuführen, das Abendprogramm für Erwachsene effektiver zu nutzen oder zu schließen, das Profil des Vocational Trainings zu überdenken und in Kostenrelation zu setzen.
Besonders wurde die Einstellung eines Sozialarbeiters/einer Sozialarbeiterin empfohlen, der/die als ein lebendiges Bindeglied zwischen der Schule und den Elternhäusern fungieren soll.

Welche dieser - im Vorfeld genannten - Vorschläge in Zukunft von uns in die Tat umgesetzt werden, bleibt noch abzuwarten. Ato Teklu, der Direktor der GCS, den viele von Ihnen ja auf seinen Deutschlandbesuchen kennengelernt haben, sein Kollegium und der Kirchenvorstand, erweitert durch kompetente Ratgeber, werden sich darüber im nächsten halben Jahr Gedanken machen und zu Entscheidungen kommen müssen.

Wir sind dankbar für die große Spende, die diese Evaluierung ermöglicht hat. Stärken und Schwächen stehen uns jetzt noch deutlicher vor Augen. Es ist auch gut zu sehen, daß Menschen, die "von außen" auf die GCS schauen, unsere Arbeit wert achten und sie als unverzichtbar beschreiben.

Zur Zeit besuchen 960 Kinder die verschiedenen Programme unserer Schule. 568 gehen in die regulären Klassen der Grundschule (Klasse 1-8), 193 kommen in das Samstagsprogramm (Kl. 9-12) und 41 junge Menschen besuchen den berufsbildenden Zweig unserer Schule. Besonders freuen wir uns über 19 Absolventen der 12. Klasse, die mit Hilfe der "extented fostership" den Sprung in die Universität oder in eines der Colleges geschafft haben. Der verbleibende Rest lernt in der Abendschule.

Durch Ihre Mundpropaganda, Vorträge, Artikel, Basare, Konzerte und eine Fernsehserie der KNH im Dezember des letzten Jahres können wir uns über einen bisher einmaligen Erfolg freuen: Alle Kinder sind im laufenden Jahr in Patenschaften untergebracht worden! Wir sind froh und dankbar für diese Entwicklung! Da im September 2000 zwei neue erste Klassen beginnen, müssen sich willige Pateneltern bis zum Jahresende gedulden, bis es zu einer Übernahme der "Kleinsten" kommen kann. Das heißt nun aber nicht, daß die Schule keine Spenden mehr nötig hätte! Schuluniformen und Schuhe, Schulmaetrial, Lehrergehälter und Fortbildungsmaßnahmen, anzuschaffende Medikamente für die Klinik, die tägliche Mahlzeit... alles will bezahlt sein. Strom- und besonders Wasserrechnungen, Telefon und alle zur Öffentlichkeitsarbeit erforderlichen Kosten wollen gedeckt sein.

Am 24. Dezember wurde statt Teff-Getreide und Öl der Geldwert der Lebensmittel an die Familien der Kinder ausgeteilt. Zwei Dinge bewogen uns zu diesem Schritt:
1. Der Aufwand des Teff-Kaufes in großen mengen (wegen der billigeren Preise) und die anschließende Umfüllaktion in kleine Säcke war schon immer sehr groß. Man geht ja hier nicht in einen Großhandel und bestellt, was man benötigt, sondern ein Gang auf den Mercato ist immer verbunden mit zeitaufwendigen Preisverhandlungen, Abbrechen, Weiterverhandeln etc., um endlich mit einem Händler einig zu werden, der dann aber natürlich nicht genug Teff hat, so daß mit dem nächsten dasselbe Palaver wieder beginnt.
Zum 2. mußten wir wiederholt feststellen, daß einige Eltern den Teff wieder verkauft haben, einfach deshalb, weil sie für die tägliche Ernährung andere Dinge besser gebrauchen konnten als den teuren Teff, zu dem sie sich keine Beilage leisten können. So backen manche lieber Maisbrot, andere rösten Weizenkörner. Wir rechnen mit ihrem Einverständnis dieser Maßnahme, möchten Sie aber gerne von dieser Änderung in Kenntnis setzen.

Eine weitere Änderung betrifft die Ausstellung der Spendenbescheinigungen zu Beginn jedes Jahres. Der Pastor der Gemeinde wurde von der EKD bevollmächtigt, die Unterschrift auf den Formblättern zu leisten, so daß Sie die Bescheinigungen im Februar dieses Jahres zum ersten Mal direkt aus Addis Abeba erhalten haben. Wir hoffen, daß alles gut geklappt hat. Auch in Zukunft können Sie sich bei Rückfragen direkt an uns wenden.

Wir wollen diesen Rundbrief für eine weitere Bitte unsererseits nutzen: Bitte teilen Sie uns im Fall eines Umzuges doch Ihre neue Adresse mit. Ansonsten kehren die Rundbriefe an uns zurück.
Es wäre schade, wenn die direkte Verbindung zwischen uns und Ihnen wegen einer unbekannten Adresse unterbleiben müßte.

Unser aufrichtiger Dank an Sie alle verbindet sich dieses Mal sehr eng mit der Bitte, die GCS auch weiterhin liebzubehalten und in Phantasie und Einsatz für die Schule nicht nachzulassen.

Herzlichst, Ihre
Hans-Joachim Krause, Pastor
Ato Teklu Tafesse, Direktor


Ich möchte mich in diesem Rundbrief von Ihnen verabschieden. Nach 16 Jahren Äthiopien und drei Jahren Tätigkeit in der Patenschaftsbegleitung der GCS kehre ich mit meiner Familie im Sommer 2000 nach Deutschland zurück. Ich freue mich, daß Elisabeth Domianus sich zur Übernahme der Arbeit bereiterklärt hat. ich möchte Ihnen noch einmal persönlich sagen, was auch in diesem Rundbrief steht: Ich war oft überwältigt von dem enormen Einsatz, den viele von Ihnen für die Kinder der GCS aufgebracht haben. Danken möchte ich Ihnen für die stets wohlwollende und ermutigende Korrespondenz der letzten Jahre. Froh bin ich darüber, viele von Ihnen bei einem Besuch hier in Addis Abeba kennengelernt zu haben!

Herzlichst Ihre Sabine Peter


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