GERMAN CHURCH SCHOOL
ADDIS ABEBA
Von Juli bis November 1999

Liebe Freundinnen und Freunde der GCS!

Gerne senden wir Ihnen wieder unsere herzlichsten Grüße zum Weihnachtsfest, das Sie in Kälte und hoffentlich mit Schnee begehen werden und wir im warmen Sonnenschein...
Zum Ende des Jahrtausends gibt es einiges aus unserer Gemeinde und vor allem aus der German Church School zu berichten:
Die Pfarrstelle hier in Addis Abeba ist immer noch verwaist, wir sind aber dankbar für den Einsatz von Dr. Henri Becker und seiner Frau, die für vier Monate die Vakanz zu überbrücken halfen.

Wir freuen uns darauf, im Februar 2000 Pastor Krause und seine Frau aus dem Marburger Land in Addis Abeba begrüßen zu können und damit die lange Vakanzzeit zu beenden.
Pastor Krause wird für die nächsten sechs Jahre die Pfarrstelle besetzen.


In der German Church School geht es munter weiter. Nach den langen "Sommer"ferien, in denen es hier ja regnet und sehr kalt wird, bekam mancher Lehrer einen Schrecken, als er die Kinder seiner Klasse wiedersah: Viele von ihnen waren schmal geworden. Sie sahen zum Teil verkommen aus.
Die tägliche Mahlzeit in der Schule hatte ihnen gefehlt. Inzwischen sind alle wieder wohlauf und es ist bewegend zu erleben, mit welchem Eifer die Kinder in der großen Pause - nach Klassen geordnet - zu den Plastikwannen laufen und Obst und Brot in Empfang nehmen.

Einige Freunde konnten dies im vergangenen Jahr selber miterleben. Zusätzlich wird am 24. Dezember wieder Teffgetreide und Öl an die Familien der Kinder ausgeteilt.

Die Ergebnisse der 28 Schülerinnen und Schüler der ersten achten Klasse erfüllen uns mit Stolz. Die nationale Prüfung wurde von 24 Kindern mit mehr als 95% der zu erreichenden Punkte abgelegt. Das ist ein schöner Erfolg, über den auch Sie sich sicher freuen.

Patenschaften
Zur Zeit besuchen 569 Kinder die Grundschule (Klasse 1-8) der GCS und 183 Kinder absolvieren in staatlichen Schulen die Klassen 9-12. Die GCS-Abendschule beherbergt 155 Erwachsene.
641 Kinder haben Pateneltern, 204 über die Kindernothilfe und 188 über Interpedia (Finnland). 247 Patenschaften wurden von Einzelpersonen oder Gruppen durch persönliche Kontakte über die Evangelische Gemeinde deutscher Sprache in Äthiopien vermittelt.

Zum ersten Mal sind wir in eine erfreuliche Verlegenheit gekommen:
Wir hatten zu Beginn dieses Schuljahres so gut wie keine Vorstellungsbögen für zu vermittelnde Patenkinder mehr zu vergeben! Inzwischen haben die 90 Erstklässler ihre Prüfungen abgelegt und sind damit zur Patenschaft berechtigt. Sie warten ungeduldig darauf, ebenso wie "die Großen" Patenbriefe zu erhalten und ihrerseits Briefe zu schreiben. Wir danken Ihnen allen, denn auch durch Ihre Mundpropaganda lernten uns viele neue Menschen kennen, die Patenschaften übernahmen.

Danke
sagen wir allen Freundinnen und Freunden der Schule wie auch Organisationen dafür, daß sie ihre Unterstützung verläßlich den Kindern zugute kommen lassen. Mit Ihrer Hilfe war es auch in diesem Jahr möglich, alle Mädchen und Jungen mit Schuhen zu versorgen. Zusätzlich zu den Schneiderkosten konnten auch die Materialkosten für die Schuluniformen finanziert werden. Unsere Stoffreserven der vergangenen Jahre waren nämlich aufgebraucht.


Die Nutzung von vier Räumlichkeiten wollen wir in diesem Rundbrief herausheben:

Die Bibliothek wird sehr stark frequentiert und auch zur Erledigung von Hausaufgaben gerne genutzt. Es herrscht dort eine geschäftige und konzentrierte Atmosphäre, ganz so wie man sich die Arbeit in einer Bibliothek auch in Deutschland vorstellt. Einzelnen Klassen sind Nutzungszeiten zugeteilt, damit jede(r) einmal die Möglichkeit zum ruhigen Studium hat. Wir überlegen, die Öffnungszeiten zu erweitern und suchen dafür gerade eine geeignete Aufsichtsperson.

Das Labor ist fertiggestellt! Wir warten nun nur noch auf die staatliche Abnahme und die Ankunft der letzten Materialien, die sich aber schon auf dem Weg nach Addis Abeba befinden. Dann kann der naturwissenschaftliche Unterricht darin endlich beginnen.
Wir danken vielen von Ihnen für die große finanzielle Unterstützung und vor allen Dingen für die Geduld bis zur endgültigen Fertigstellung. Zwei Professoren der hiesigen Universität haben uns ihre Hilfe für die methodische Fortbildung der GCS Lehrer bereits zugesagt.

In der Klinik wird alle Arbeit wie in vorigen Rundbriefen oft beschrieben weitergeführt.
Wer von Ihnen an der speziellen Arbeit der Klinik interessiert ist, kann von uns einen Sonderbericht anfordern, den wir hergestellt haben.

Der letzte gut besuchte Raum in unserer Schule ist der Duschraum! Die Wasserrechnung am Ende des Quartals gibt darüber Auskunft, mit welcher Hingabe die Kinder es genießen, sich unter fließendem Wasser Gesicht und Haare zu waschen...


VT-GruppeDas Vocational Training hat im September parallel zum zweiten Kurs mit einem dritten begonnen. Die Gruppe besteht ausschließlich aus jungen Frauen und wir sind gespannt, ob sich die Leistungen der Mädchen durch dieses Pilotprojekt verbessern werden. Die Kindernothilfe hat den Kurs zu einem ihrer Milleniumsprojekte ausgewählt. Es könnte also sein, daß Sie in den Medien hin und wieder auf Berichte aus diesem Bereich unserer Arbeit stoßen werden. Im Internet finden Sie Informationen unter www.knh.de.

Wir müssen allerdings feststellen, daß die Ausbildung dieser 24 jungen Leute unverhältnismäßig teuer ist im Vergleich zu der Grund- und Sekundarausbildung, die wir ca. 900 Kindern und Erwachsenen bieten. Die Frage nach der langfristigen Finanzierbarkeit des Vocational Trainings stellte sich leider in den letzten Monaten immer wieder.

Das engagierte Kollegium unserer Schule besteht aus sieben Lehrerinnen und dreizehn Lehrern. Im Rahmen ihrer Fortbildung sind die wöchentlichen Treffen am Freitag nachmittag zur verläßlichen Routine geworden. In den oft sehr intensiven Gsprächen geht es meistens um den effektiven Einsatz der neu angeschafften Unterrichtsmaterialien.


Zusammenfassend können wir sagen, daß wir im vergangenen Halbjahr konkret damit begonnen haben, unsere verschiedenen Programme zu sichten und zu evaluieren. Wir möchten nach der intensiven Bauphase nun eine eben so intensive Zeit der Konsolidierung und Auswertung folgen lassen. Dafür haben wir eine ganze Reihe von Maßnahmen in Planung oder bereits durchgeführt. Wir freuen uns sehr, daß wir auch in diesem Bereich mit der Offenheit und dem Interesse unserer Freunde - im wahrsten Sinne des Wortes rechnen konnten.

Für "unsere" Kinder wurde z.B. durch die Christoffel Blindenmission eine Reihenuntersuchung durch einen Augenarzt ermöglicht, deren Ergebnisse noch abzuwarten sind. Es wird zu überlegen sein, ob und wie man z.B. die stark sehbehinderten Kinder noch angemessener fördern kann. Bisher hatten diese, wie ihre blinden Klassenkameraden, die Braille Umschrift gelernt.

Durch Sonderspenden war es auch möglich, die Vorarbeiten für einen sinnvollen Einsatz einer Sozialarbeiterin zu leisten. Über die Ergebnisse werden wir Sie in unserem nächsten Rundbrief auf dem Laufenden halten.
Sie sehen, es bleibt spannend und voller Herausforderungen in der German Church School.

Wir freuen uns auf eine gemeinsame Zukunft mit Ihnen allen auch im nächsten Jahrtausend!

Teklu Tafesse, Direktor der GCS                          Dr. Henri Becker, Pastor

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