GERMAN CHURCH SCHOOL
ADDIS ABEBA
November 1998 - Juni 1999

Liebe Freundinnen und Freunde der GCS!

Zum Ende des Schuljahres melden wir uns mit den neuesten Nachrichten aus der German Church School wieder einmal bei Ihnen. Zwar ist erst ein halbes Jahr seit unserem letzten Rundbrief vergangen - trotzdem gibt es einiges Erfreuliches zu berichten. Das laufende Schuljahr ist geprägt durch die Erweiterung des Grundschulzweiges. Erstmalig gibt es eine 8. Klasse an der GCS; damit erfüllen wir nun die neuen Kriterien der äthiopischen Regierung zur Anerkennung der Schule. 29 Schüler und Schülerinnen werden Mitte Juni die nationale Prüfung ablegen. Auf deren Ergebnisse sind wir sehr gespannt - geben sie uns doch eine gute und wichtige Rückmeldung über die Qualität der Ausbildung.

SchülerIn den Grundschulklassen (Klasse 1-8) lernen zur Zeit 515 Schüler und Schülerinnen, 278 Mädchen und 237 Jungen.

25 blinde Kinder besuchen zusammen mit ihren sehenden Mitschülerinnen und Mitschülern die regulären Klassen und bekommen zusätzlich Unterricht in speziellen Fertigkeiten wie Braille u.a. durch besonders ausgebildete Lehrer.

Das Samstagsprogramm wurde zu einem ganztägigen Tutorienprogramm ausgeweitet, an dem 91 Mädchen und 91 Jungen aus den höheren Klassen teilnehmen, die den Unterricht nach der achten Klasse an Regierungsschulen fortsetzen. Sie bekommen weiterhin dieselbe Unterstützung wie die an der GCS lernenden Kinder.

In der Abendschule versammeln sich 162 Erwachsene, etwa ein Viertel davon sind Eltern unserer Schüler und Schülerinnen.

Insgesamt haben 644 Kinder Pateneltern, 225 über Kindernothilfe, 173 über Interpedia (Finnland). 246, also der größte Teil der Patenschaften -, getragen durch Einzelpersonen oder Gruppen - wurden durch persönliche Kontakte über die Evangelische Gemeinde deutscher Sprache in Äthiopien vermittelt. Insgesamt hat die Bereitschaft, Patenschaften zu übernehmen, erfreulich zugenommen. Nur 63 Kinder sind zur Zeit noch ohne Pateneltern.

Dazu trugen auch zwei Reisen des Schuldirektors Ato Teklu Tafesse bei, die er unternahm, um unsere Partner in Deutschland und Finnland über die Entwicklungen an der GCS zu informieren. Im Herbst 1998 besuchte Ato Teklu, wie schon berichtet, Finnland, im Mai diesen Jahres Gemeinden und Projekte im Süden Deutschlands. In beiden Ländern wurde er sehr freundlich aufgenommen, hatte die Möglichkeit, zu berichten und viele Menschen, die uns seit langem unterstützen, auch persönlich kennen zu lernen. Dafür Ihnen allen herzlichen Dank!

Vocational Training

GraduantenVielleicht erinnern Sie sich, daß wir im letzten Brief über Schwierigkeiten der Absolventinnen und Absolventen des Berufsbildungszweiges (Vocational Training), eine Stelle zu finden, berichtet haben. Wir freuen uns, daß inzwischen über die Hälfte von Ihnen eine bezahlte Anstellung gefunden haben. Die verbleibenden sind in Praktikumsplätze vermittelt, so daß sie ihre im Vocational Training erworbenen Fähigkeiten einsetzen und weiter verbessern können.

Währenddessen läuft der zweite Kurs und wir bereiten uns darauf vor, eine neue Gruppe zum nächsten Schuljahr aufzunehmen. Zur Zeit finden dafür die Auswahlgespräche statt. Nach langen und intensiven Diskussionen über Möglichkeiten, die Leistungen der Mädchen zu verbessern, haben wir uns entschlossen, in diesem Jahr versuchsweise nur Mädchen ins Vocational Training aufzunehmen. Wir erhoffen uns davon, sie gezielter fördern zu können. Auch den Anteil der weiblichen Lehrkräfte im Vocational Training haben wir entsprechend erhöht.




Kollegium

SchulhofDem Kollegium gehören sieben Lehrerinnen und dreizehn Lehrer an. Um die zusätzliche Arbeit im Samstagsprogramm und in der Abendschule zu bewältigen, wurden vier qualifizierte Halbtagskräfte eingestellt.

Unter der Anleitung einer Lehrerin der Deutschen Botschaftsschule kamen wir unserem Ziel, die Lehrerfortbildung zu intensivieren und die noch fehlenden Lehrmittel kompetent auf den neuesten Stand zu bringen, ein gutes Stück näher. Es wurden diverse Fachkonferenzen, Seminare und pädagogische Tage abgehalten. Ein besonderes Erlebnis im April diesen Jahres war eine Vier - Tages - Tour in den Südosten Äthiopiens, wo fast das gesamte Kollegium die Möglichkeit hatte, sich Blindenschulen anzusehen und sich mit den jeweiligen Fachkollegen der Schulen auzutauschen.


Veränderungen

Sonder-Unterricht für blinde SchülerIm Vergleich zum Vorjahr finden der Unterricht und alle Veranstaltungen in den neuen Schulgebäude statt. Wie schon erwähnt, bringt uns das nicht nur mehr Platz, sondern eröffnet auch neue Möglichkeiten der Gestaltung des Unterrichts. So wurde für die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 - 8 durch Umstellung ihres Stundenplans ein Ganztagsbesuch der Schule ermöglicht. Die Schülerinnen und Schüler nutzen nun verstärkt die Bibliothek zum Lernen. Dazu haben die meisten zuhause nur selten Zeit, Platz und Ruhe.

Für die Präsenzbibliothek wurden zusätzliche Bücher angechafft und ein Kollege als Bibliothekar eingesetzt. Die endgültige Einrichtung des Laboratoriums, dessen Ausstattung zur Zeit in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Lehrerinnen und Lehrern - leider auch unter erheblichen bürokratischen Mühen - vervollständigt wird, ist im Sommer geplant.


Zusätzliche Hilfen

Aufgrund des weiterhin andauernden Krieges mit Eritrea und der Trockenheit in diesem Jahr ist die finanzielle Situation vieler Familien unserer Schülerinnen und Schüler zur Zeit besonders angespannt.So ist die Unterstützung, die auch den Familien zugute kommt, in diesem Jahr besonders willkommen:

Vor der SchuleDie positiven Auswirkungen der täglichen Schulspeisung sind weiterhin deutlich spürbar. Unser Vorhaben, den Kindern zusätzlich zu einem Brot an drei Tagen pro Woche etwas Obst zu geben, konnte inzwischen verwirklicht werden. Die Schuluniform konnte durch große Einzelspenden um je ein T-Shirt erweitert werden. Kurz vor dem äthiopischen Weihnachtsfest im Januar wurde Getreide und Öl an die Familien der Kinder ausgeteilt.Die Kinder bekamen zu dieser Gelegenheit wie üblich ein Paar neue Schuhe.

In diesem Zusammenhang möchten wir die Geschenke erwähnen, die Sie als Pateneltern den von ihnen unterstützten Kindern etwa zu Weihnachten oder zum Geburtstag machen. Über solche Zeichen der Verbundenheit freuen die Kinder sich wirklich sehr. Ein bißchen schwierig wird es allerdings, wenn diese Geschenke den Rahmen des Zeichenhaften zu deutlich überschreiten. Wir verstehen sehr gut Ihre guten Absichten, bitten Sie aber dennoch um Verständnis, wenn wir bei Geldgeschenken, die 100,- Birr (ca. 25DM)übersteigen, den überzähligen Betrag aufteilen.

Die Krankenschwester der Klinik organisierte mehrere Veranstaltungen zu den Themen Aids, Familienplanung, Hygiene und Geschlechtskrankheiten. Kinder mit Hautproblemen wurden von einem Dermatologen des ALERT Krankenhauses untersucht. Wie in jedem Jahr, so haben wir auch in diesem Jahr die Familien unserer blinden Schüler und Schülerinnen besucht. Ebenfalls suchten wir Kinder mit Gesundheitsproblemen oder Schwierigkeiten in der Familie zuhause auf.

Aussichten & Pläne

SchülerinnenNachdem der Bau, der uns so lange in Atem gehalten hat, nun vollendet ist, haben wir uns nach eingehender Beratung als mittelfristiges Ziel gesetzt, die GCS nicht - etwa durch die Einrichtung weiterer Zweige - weiter zu vergrößern. In den vergangenen Jahren ist die Schule immer mehr gewachsen. So erscheint es wichtig, uns zunächst darauf zu konzentrieren, die bestehende Arbeit zu konsolidieren.
Wir möchten die Qualität unserer Ausbildung weiterhin dadurch verbessern, daß der Fortbildung der Lehrer besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird, aber auch, indem wir etwa Lern-und Lehrmittel aufstocken und attraktiver gestalten. Dazu gehört auch die Ausstattung der Bibliothek und des Laboratoriums, die nach und nach vervollständigt werden soll.

Darüber hinaus haben wir uns besonders zwei große Bereiche vorgenommen: Die Zusammenarbeit mit den Eltern zu intensivieren und der Förderung der Mädchen mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Wir freuen uns, daß sich für beide Projekte Partner gefunden haben. Mit ihrer Hilfe wird es möglich ein, eine Sozialarbeiterin einzustellen. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit soll darin liegen, den Kontakt zu den Eltern zu suchen und zu pflegen, sie in ihrer Verantwortung für die Zukunft ihrer Kinder mehr anzusprechen.

Darüber hinaus sind wir in der Lage, die Arbeit der GCS durch ein externes Beraterteam darauf hin auswerten zu lassen, was sich im Blick auf die Förderung der Mädchen verbessern läßt. Es ist geplant, daß sich dieser Auswertung ein besonderes Training anschließt, um Lehrerinnen und Lehrer in dieser Hinsicht tärker zu sensibilisieren. Eine enge Zusammenarbeit mit der zukünftigen Sozialarbeiterin erscheint uns besonders wichtig. über die Entwicklungen in diesem Bereich werden wir Sie natürlich auf dem Laufenden halten - vielleicht gibt es im nächsten Rundbrief dazu schon mehr zu berichten!

"Danke" sagen wir allen Freundinnen und Freunden der Schule wie auch den Organisationen, die ihre hilfe und Unterstützung verläßlich den Schülern und Schülerinnen der GCS zukommen lassen. Ohne Sie wäre all das, was an der German Church School geschieht, nicht möglich. Aus katatrophalen Hintergründen kommend, hätten viele dieser Kinder sont keine Hoffnung, an eine bessere Zukunft zu glauben.

Mit herzlichen Grüßen,

gez. Ato Teklu Tafesse, Direktor GCS          gez. Pastorin Margrit Tuente


PS: Mit diesem Rundbrief möchte ich mich von Ihnen verabschieden. Nach drei Jahren in Addis Abeba kehren wir nun - um viele Erfahrungen gerade auch durch die Arbeit an der GCS reicher - nach Deutschland zurück. Leider verzögert sich die Neubesetzung der Pfarrstelle unvorhergesehen noch einmal um ein halbes Jahr. In der Zwischenzeit wird Pastor Henri Becker die Vertretung in der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache übernehmen. Den Bereich der Arbeit des Pastors, der die GCS betrifft, wird für diese Zeit Frau Irene Groß-Herzog übernehmen. Frau Groß-Herzog arbeitet bereits seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Schulleitung mit. Da sie auch beruflich in diesem Bereich qualifiziert ist und noch einige Jahre in Äthiopien bleiben wird, ist durch sie, Ato Teklu Tafesse und Ato Degafi Sisay, deren Verträge soeben um weitere drei Jahre verlängert wurden, die Kontinuität der Arbeit gewährleistet.

Magrit Tuente


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