Liebe Freundinnen und Freunde der GCS!
Zum Ende des Schuljahres melden wir uns mit den neuesten Nachrichten aus der
German Church
School wieder einmal bei Ihnen. Zwar ist erst ein halbes Jahr seit unserem
letzten Rundbrief
vergangen - trotzdem gibt es einiges Erfreuliches zu berichten. Das laufende
Schuljahr ist geprägt
durch die Erweiterung des Grundschulzweiges. Erstmalig gibt es eine 8.
Klasse an der GCS;
damit erfüllen wir nun die neuen Kriterien der äthiopischen Regierung zur
Anerkennung der Schule.
29 Schüler und Schülerinnen werden Mitte Juni die nationale Prüfung ablegen.
Auf deren
Ergebnisse sind wir sehr gespannt - geben sie uns doch eine gute und
wichtige Rückmeldung über
die Qualität der Ausbildung.
25 blinde Kinder besuchen zusammen mit ihren sehenden Mitschülerinnen und
Mitschülern die
regulären Klassen und bekommen zusätzlich Unterricht in speziellen
Fertigkeiten wie Braille u.a.
durch besonders ausgebildete Lehrer.
Das Samstagsprogramm wurde zu einem ganztägigen Tutorienprogramm
ausgeweitet, an dem 91
Mädchen und 91 Jungen aus den höheren Klassen teilnehmen, die den
Unterricht nach der achten
Klasse an Regierungsschulen fortsetzen. Sie bekommen weiterhin dieselbe
Unterstützung wie die an
der GCS lernenden Kinder.
In der Abendschule versammeln sich 162 Erwachsene, etwa ein Viertel davon
sind Eltern unserer
Schüler und Schülerinnen.
Insgesamt haben 644 Kinder Pateneltern, 225 über Kindernothilfe, 173 über
Interpedia (Finnland).
246, also der größte Teil der Patenschaften -, getragen durch Einzelpersonen
oder Gruppen - wurden
durch persönliche Kontakte über die Evangelische Gemeinde deutscher Sprache
in Äthiopien
vermittelt. Insgesamt hat die Bereitschaft, Patenschaften zu übernehmen,
erfreulich zugenommen.
Nur 63 Kinder sind zur Zeit noch ohne Pateneltern.
Dazu trugen auch zwei Reisen des Schuldirektors Ato Teklu Tafesse bei, die
er unternahm, um
unsere Partner in Deutschland und Finnland über die Entwicklungen an der GCS
zu informieren. Im
Herbst 1998 besuchte Ato Teklu, wie schon berichtet, Finnland, im Mai diesen
Jahres Gemeinden
und Projekte im Süden Deutschlands. In beiden Ländern wurde er sehr
freundlich aufgenommen,
hatte die Möglichkeit, zu berichten und viele Menschen, die uns seit langem
unterstützen, auch
persönlich kennen zu lernen. Dafür Ihnen allen herzlichen Dank!
In den Grundschulklassen (Klasse 1-8) lernen zur Zeit 515 Schüler und
Schülerinnen, 278 Mädchen
und 237 Jungen.
Währenddessen läuft der zweite Kurs und wir bereiten uns darauf vor, eine
neue Gruppe zum nächsten Schuljahr aufzunehmen. Zur Zeit finden dafür die Auswahlgespräche
statt. Nach langen und intensiven Diskussionen über Möglichkeiten, die Leistungen der Mädchen
zu verbessern, haben wir uns entschlossen, in diesem Jahr versuchsweise nur Mädchen ins
Vocational Training aufzunehmen. Wir erhoffen uns davon, sie gezielter fördern zu können. Auch
den Anteil der weiblichen Lehrkräfte im Vocational Training haben wir entsprechend erhöht.
Vielleicht erinnern Sie sich, daß wir im letzten Brief über Schwierigkeiten
der Absolventinnen und
Absolventen des Berufsbildungszweiges (Vocational Training), eine Stelle zu
finden, berichtet
haben. Wir freuen uns, daß inzwischen über die Hälfte von Ihnen eine
bezahlte Anstellung gefunden
haben. Die verbleibenden sind in Praktikumsplätze vermittelt, so daß sie
ihre im Vocational
Training erworbenen Fähigkeiten einsetzen und weiter verbessern können.
Unter der Anleitung einer Lehrerin der Deutschen Botschaftsschule kamen wir
unserem Ziel, die Lehrerfortbildung zu intensivieren und die noch fehlenden Lehrmittel
kompetent auf den neuesten Stand zu bringen, ein gutes Stück näher. Es wurden diverse Fachkonferenzen,
Seminare und pädagogische Tage abgehalten. Ein besonderes Erlebnis im April diesen Jahres
war eine Vier - Tages - Tour in den Südosten Äthiopiens, wo fast das gesamte Kollegium die
Möglichkeit hatte, sich Blindenschulen anzusehen und sich mit den jeweiligen Fachkollegen der
Schulen auzutauschen.
Dem Kollegium gehören sieben Lehrerinnen und dreizehn Lehrer an. Um die
zusätzliche Arbeit im Samstagsprogramm und in der Abendschule zu bewältigen, wurden vier
qualifizierte Halbtagskräfte eingestellt.
Für die Präsenzbibliothek wurden zusätzliche Bücher angechafft und ein
Kollege als Bibliothekar eingesetzt. Die endgültige Einrichtung des Laboratoriums,
dessen Ausstattung zur Zeit in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Lehrerinnen und Lehrern -
leider auch unter erheblichen bürokratischen Mühen - vervollständigt wird, ist im Sommer
geplant.
Im Vergleich zum Vorjahr finden der Unterricht und alle Veranstaltungen in
den neuen Schulgebäude statt. Wie schon erwähnt, bringt uns das nicht nur mehr Platz,
sondern eröffnet auch neue Möglichkeiten der Gestaltung des Unterrichts. So wurde für die
Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 - 8 durch Umstellung ihres Stundenplans ein Ganztagsbesuch der
Schule ermöglicht.
Die Schülerinnen und Schüler nutzen nun verstärkt die Bibliothek zum Lernen.
Dazu haben die meisten zuhause nur selten Zeit, Platz und Ruhe.
Aufgrund des weiterhin andauernden Krieges mit Eritrea und der Trockenheit
in diesem Jahr ist die finanzielle Situation vieler Familien unserer Schülerinnen und Schüler zur
Zeit besonders angespannt.So ist die Unterstützung, die auch den Familien zugute kommt, in
diesem Jahr besonders willkommen:
In diesem Zusammenhang möchten wir die Geschenke erwähnen, die Sie als
Pateneltern den von ihnen unterstützten Kindern etwa zu Weihnachten oder zum Geburtstag machen.
Über solche Zeichen der Verbundenheit freuen die Kinder sich wirklich sehr. Ein bißchen
schwierig wird es allerdings, wenn diese Geschenke den Rahmen des Zeichenhaften zu deutlich
überschreiten. Wir verstehen sehr gut Ihre guten Absichten, bitten Sie aber dennoch um
Verständnis, wenn wir bei Geldgeschenken, die 100,- Birr (ca. 25DM)übersteigen, den überzähligen
Betrag aufteilen.
Die Krankenschwester der Klinik organisierte mehrere Veranstaltungen zu den Themen Aids,
Familienplanung, Hygiene und Geschlechtskrankheiten. Kinder mit Hautproblemen wurden von
einem Dermatologen des ALERT Krankenhauses untersucht. Wie in jedem Jahr, so haben wir auch in diesem Jahr die Familien unserer
blinden Schüler und Schülerinnen besucht. Ebenfalls suchten wir Kinder mit Gesundheitsproblemen
oder Schwierigkeiten in der Familie zuhause auf.
Die positiven Auswirkungen der täglichen Schulspeisung sind weiterhin
deutlich spürbar. Unser Vorhaben, den Kindern zusätzlich zu einem Brot an drei Tagen pro Woche etwas
Obst zu geben, konnte inzwischen verwirklicht werden. Die Schuluniform konnte durch große
Einzelspenden um je ein T-Shirt erweitert werden. Kurz vor dem äthiopischen Weihnachtsfest im
Januar wurde Getreide und Öl an die Familien der Kinder ausgeteilt.Die Kinder bekamen zu
dieser Gelegenheit wie üblich ein Paar neue Schuhe.
Darüber hinaus haben wir uns besonders zwei große Bereiche vorgenommen: Die Zusammenarbeit mit den Eltern zu intensivieren und der Förderung der Mädchen mehr Aufmerksamkeit zu widmen.
Wir freuen uns, daß sich für beide Projekte Partner gefunden haben. Mit ihrer Hilfe wird es möglich ein, eine Sozialarbeiterin einzustellen. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit soll darin liegen, den Kontakt zu den Eltern zu suchen und zu pflegen, sie in ihrer Verantwortung für die Zukunft ihrer Kinder mehr anzusprechen.
Darüber hinaus sind wir in der Lage, die Arbeit der GCS durch ein externes Beraterteam darauf hin auswerten zu lassen, was sich im Blick auf die Förderung der Mädchen verbessern läßt. Es ist geplant, daß sich dieser Auswertung ein besonderes Training anschließt, um Lehrerinnen und Lehrer in dieser Hinsicht tärker zu sensibilisieren. Eine enge Zusammenarbeit mit der zukünftigen Sozialarbeiterin erscheint uns besonders wichtig. über die Entwicklungen in diesem Bereich werden wir Sie natürlich auf dem Laufenden halten - vielleicht gibt es im nächsten Rundbrief dazu schon mehr zu berichten!
"Danke" sagen wir allen Freundinnen und Freunden der Schule wie auch den
Organisationen, die ihre hilfe und Unterstützung verläßlich den Schülern und Schülerinnen der
GCS zukommen lassen.
Ohne Sie wäre all das, was an der German Church School geschieht, nicht möglich. Aus katatrophalen Hintergründen kommend, hätten viele dieser Kinder sont keine Hoffnung, an eine bessere Zukunft zu glauben.
Mit herzlichen Grüßen,
Nachdem der Bau, der uns so lange in Atem gehalten hat, nun vollendet ist, haben wir uns nach eingehender Beratung als mittelfristiges Ziel gesetzt, die GCS nicht - etwa durch die Einrichtung weiterer Zweige - weiter zu vergrößern. In den vergangenen Jahren ist die
Schule immer mehr gewachsen. So erscheint es wichtig, uns zunächst darauf zu konzentrieren, die bestehende Arbeit zu
konsolidieren.
Wir möchten die Qualität unserer Ausbildung weiterhin dadurch verbessern,
daß der Fortbildung der Lehrer besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird, aber auch, indem wir etwa Lern-und
Lehrmittel aufstocken und attraktiver gestalten. Dazu gehört auch die Ausstattung der Bibliothek und des Laboratoriums, die nach und nach vervollständigt werden soll.
PS: Mit diesem Rundbrief möchte ich mich von Ihnen verabschieden. Nach drei Jahren in Addis Abeba kehren wir nun - um viele Erfahrungen gerade auch durch die Arbeit an der GCS reicher - nach Deutschland zurück. Leider verzögert sich die Neubesetzung der Pfarrstelle unvorhergesehen noch einmal um ein halbes Jahr. In der Zwischenzeit wird Pastor Henri Becker die Vertretung in der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache übernehmen. Den Bereich der Arbeit des Pastors, der die GCS betrifft, wird für diese Zeit Frau Irene Groß-Herzog übernehmen. Frau Groß-Herzog arbeitet bereits seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Schulleitung mit. Da sie auch beruflich in diesem Bereich qualifiziert ist und noch einige Jahre in Äthiopien bleiben wird, ist durch sie, Ato Teklu Tafesse und Ato Degafi Sisay, deren Verträge soeben um weitere drei Jahre verlängert wurden, die Kontinuität der Arbeit gewährleistet.
Magrit Tuente