Liebe Freunde!
Das letzte Jahr ist wie im Flug vergangen, und es wird wieder Zeit für einen herzlichen und
weihnachtlichen Gruß an Sie alle, die Sie unsere Arbeit in der German Curch School auch im
vergangenen Jahr ermöglicht und freundschaftlich begleitet haben.
Durch die ausführliche Festschrift, die wir Ihnen aus Anlaß der Einweihung des neuen
Schulgebäudes und der Graduierung des ersten Kurses des Berufsbildungsprogramms zuschicken,
sind Sie über die erste Hälfte des Jahres gut informiert. Pastor Veddeler und seine Familie sind
inzwischen nach Wuppertal umgezogen und Angelika Veddeler hat ihre neue Stelle als
Afrikareferentin bei der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) angetreten.
Wegen des Wechsels mußten wir leider die geplante Reise des Direktors der GCS, Ato Teklu
Tafesse, nach Deutschland auf das nächste Jahr verschieben. So reiste er in diesem Jahr nach
Finnland, machte an vielen Orten mit großem Erfolg unsere Arbeit bekannt und pflegte die bereits
vielfältig vorhandenen Beziehungen zu Spendern dort.
Bevor ich zu unserer Schule komme, noch ein paar Worte zur Situation in äthiopien: Vielleicht
haben sie gehört, daß es zwischen Eritrea und äthiopien seit Mai diesen Jahres Grenzkonflikte gibt,
die lokal eskalierten. Vermittler aus Afrika und den USA haben sich eingeschaltet und es gibt
Anlaß zur Hoffnung, daß eine Einigung in absehbarer Zeit erzielt wird. Trotzdem hat sich die
Lebenssituation der Menschen durch die angespannte Lage natürlich nicht verbessert; die Preise für
Lebensmittel stiegen in die Höhe, das Gas, Treibstoff und Kerosin zum Kochen sind knapp. Das
trifft die Familien unserer Schülerinnen und Schüler besonders hart.
auch deshalb sind wir froh über die Umsetzung eines kleinen Projektes zu Beginn des neuen
Schuljahres: Es wird nun täglich in jeder großen Pause ein Vollkornbrot, etwa so groß wie ein
doppeltes Brötchen, an jedes Kind verteilt. Es wird außerdem geplant, den Kindern ca. zwei mal in
der Woche zusätzlich noch etwas vitaminreiches Obst zu geben.
Lassen Sie mich an dieser Stelle nur stichwortartig und auszugsweise die vielen Dinge nennen, die
durch Sie zusätzlich möglich geworden sind:
Auch in diesem Jahr zu Weihnachten können wir durch Ihre Unterstützung wieder alle
Schülerinnen und Schüler mit guten Lederschuhen ausstatten. Zusätzlich bekommen sie ein kleines
Extra-Weihnachtsgeschenk: Im Rahmen der Schuluniform erhält jedes Kind zusätzlich ein
Poloshirt, und im nächsten Jahr soll die Uniform dann noch um einen Pullover erweitert werden. In
einer Höhe von knapp 3.000 m kann es, besonders während der Regenzeit, sehr kalt werden, so daß
dies wirklich eine sinnvolle Ergänzung der Schulkleidung ist.
In unserem letzten Weihnachtsbrief haben wir angekündigt, daß mit der Fertigstellung der neuen
Schule Platz da sein würde, um die Schule um die Klasse 8 zu erweitern. dies ist nun geschehen,
außerdem wurde die Anzahl der Stunden von täglich fünf auf 7 Stunden erhöht und zwei
zusätzliche Lehrer wurden eingestellt.
Für die Zukunft haben wir nun vor allem vor, noch mehr Zeit und Sorgfalt in die Fortbildung der
Lehrerinnen und Lehrer zu investieren. Die wöchentliche Lehrerfortbildung soll intensiviert und um
zusätzliche Kurse ergänzt werden. Hierfür hat uns eine erfahrene Lehrerin der deutschen
Botschaftsschule ihre Hilfe angeboten Sie trifft sich wöchentlich mit dem Kollegium unserer
Schule zu Fachgesprächen und lädt diese hin und wieder in ihren eigenen Unterricht ein. Für dieses
Engagement sind wir sehr, sehr dankbar.
Auf dem Schulhof bietet sich den Pausen ein sehr buntes Bild: Schülerinnen und Schüler der ersten
acht Klassen, die Absolventinnen und Absolventen des Berufsbildungprogramms, und dazwischen
ganz selbstverständlich die blinden Kinder, von Besuchern oft gar nicht sofort bemerkt.
Ihnen gilt in diesem Jahr der besondere Stolz der Schule: An den äth. Ausscheidungswettkämpfen
für die Olympischen Spiele behinderter Menschen in Sydney (Paralympics) nahmen nämlich auch
Schüler unserer Schule teil. Zwei von ihnen qualifizierten sich und werden im Juni 1999 zusammen
mit ihrem Trainer und Lehrer Ato Girma Woressa zu den All African Games nach Südafrika
fliegen. sollte es ihnen gelingen, sich auch dort zu qualifizieren, werden sie die weite Reise nach
Australien antreten und ihr Land vertreten. Schüler wie Mitarbeiter der GCS sind schon jetzt stolz
auf sie.
Ein Wehmutstropfen, den wir nicht verschweigen wollen in diesem insgesamt so ereignisreichen
Jahr, ist die Frage der übernahme der Absolventinnen und Absolventen unseres
Berufsbildungsprogrammes in den Arbeitsmarkt. Die jungen Leute - und auch Mitarbeiter - haben
es zur Zeit nicht leicht, mit der Enttäuschung zu leben, daß nur wenige der 18 Absolventen schon
eine bezahlte Stelle gefunden haben. Die meisten sind noch als Praktikanten in Betrieben
eingesetzt, um ihre praktischen Fähigkeiten in der Wartezeit erhalten zu können, bekommen jedoch
kein Gehalt. Das ist angesichts einer Jugendarbeitslosigkeit von 68 % in Addis Abeba zwar nicht
ungewöhnlich - aber wir hatten alle nach der überwältigend positiven Resonanz während des
Büropraktikums doch mehr und schnellere Erfolge erwartet!
Für uns ist es ein Anlaß über die Gestaltung des Berufsbildungprogrammes weiterhin intensiv
nachzudenken. Insbesondere beschäftigt uns die Frage, wie wir schon in der Schule die Mädchen
besser fördern können. Auch in äthiopien ist der Beruf Sekretärin eigentlich ein Frauenberuf. Wir
haben die Erfahrung gemacht, daß bei den Auswahlgesprächen die Jungen durchweg besser sind, da
die Mädchen mit zunehmenden Alter mehr Hausarbeit übernehmen müssen und so weniger Zeit
zum Lernen haben. Dies ist ein Widerspruch, der herausfordert - nicht nur im
Berufsbildungsprogramm, sondern auch als Schule! Auch in diesen Fragen sind wir auf das
Mitdenken vieler, oft wenig beachtet, angewiesen - Auch dafür: Danke!
Wir danken allen, die die Arbeit der GCS begleitet haben - mitdenkend, mitarbeitend und vieles
mittragend, das ohne Sie unmöglich wäre. Herzlichen Dank für alle Mithilfe im vergangenen Jahr!
Mit guten Wünschen für die Weihnachtstage und das kommende Jahr grüßen Sie
herzlich,
Hier in Addis Abeba sind die Tage hochsommerlich heiß und die Nächte bitterkalt. Wir sind mitten
in der Trockenzeit, die Ernte wird in vielen Teilen des Landes eingebracht - und wir brauchen als
Ausländer ein bißchen Phantasie, um die traditionelle Weihnachtsstimmung zu empfinden. In
äthiopien wird Weihnachten erst am 06. Januar gefeiert und man schreibt das Jahr 1991, denn
unser Gastland folgt dem gregorianischen Kalender.
Jetzt läuft das Bewerbungsverfahren für die Neubesetzung der Pfarrstelle und ab Sommer 1999
wird es wieder einen Pfarrer oder eine Pfarrerin mit einem langfristigen Vertrag bei uns geben. Bis
dahin haben mein Mann und ich die Vertretung übernommen. Manche von Ihnen kennen uns aus
der Korrespondenz bereits - in den vergangenen zwei Jahren haben wir zur Entlastung von Pastor
Veddeler in Gemeinde und GCS mitgearbeitet.
Der Erfolg dieser von den Kindern begeistert angenommenen Aktion ist nicht ausgeblieben:
Während es früher trotz allem passierte, daß Kinder sich aus Hunger nicht auf den Unterricht
konzentrieren konnten und sogar bewußtlos wurden, kommt dies nun tatsächlich nicht mehr vor.
die Verteilung von Teff (Getreide) und öl an die Familien der Kinder, die bisher zweimal jährlich
stattfand, ist dadurch nicht gestrichen, aber in ihrem Umfang reduziert worden. Wir freuen uns sehr,
daß diese kleine änderung so viel bewirkt hat!
565 von über 900 Kindern haben Pateneltern, die sie monatlich finanziell unterstützen und die
Ausbildung ermöglichen. Mit Ihrer Hilfe konnten wir im Juni die neuen Schulgebäude einweihen,
der bis dahin oft unbenutzbare Zufahrtsweg zur Schule wurde betoniert und dient nun auch als
Spielplatz während der Pausen. Die Einrichtung der Schule konnte in Form einer gut ausgestatteten
Bibliothek und Klinik sehr zum Nutzen der Kinder erweitert werden.
Der Grundstock eines Laboratoriums für den naturkundlichen Unterricht konnte gelegt werden und
soll, sobald die noch fehlenden Dinge erhältlich sind, weiter ausgebaut werden.