(Interview mit Sr. Fikerte, der Schul-Schwester)
Ein neues Gebäude: lang ersehnt, dringend benötigt, in eineinhalb Jahren erbaut, und nun endlich fertig!
Zum Anlaß der Einweihung dieses Neubaus geben wir das vorliegende Heft heraus (einzelne Beiträge davon lesen Sie auf dieser Homepage). Es soll Rück- und Ausblicke geben auf die vergangene und jetzige Arbeit in der German Church School (GCS), auf die Entwicklungen und Bedingungen, die diese Schule haben wachsen lassen - von Kursen in einem Tukul, einer Hütte, im Pfarrgarten bis zu einer Schule mit eintausend Schülerinnen und Schülern. Eine Schule mit unterschiedlichen Programmen und Arbeitszweigen - mit Berufsausbildung, einer Schulklinik, integrierter Blindenerziehung, einem Abendprogramm für Erwachsene und einem Sonntagsprogramm für Jugendliche, die nach der 7. Klasse weiterführende staatliche Schulen besuchen - und mit einem großen Grundschulzweig - das ist die GCS heute.
Da neue Gebäude soll der Vielzahl all dieser Aufgaben besser Rechnung tragen als das bislang möglich war.In diesem Heft zur Eröffnung finden Sie einige Bausteine aus dieser Vielfalt: Grüße von Ato Teklu, dem Direktor, ...
All die Arbeit der letzten Jahrzehnte und der Gegenwart wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht viele, viele Mitglieder der deutschsprachigen Gemeinde und Community und viele Freunde hier in Addis und Europa sie in allen Bereichen tatkräftig mitgestaltet und finanzkräftig unterstützt hätten.
Ihnen allen sowie den Partnerorganisationen in Finnland und Deutschland sagen wir unseren herzlichen Dank. Und bitten Sie: Bleiben Sie unserer Schule, all ihren Schülerinnen und Schülern und der Arbeit in all den verschiedenen Zweigen auch weiterhin so freundschaftlich verbunden wie bisher!
Mit herzlichen Grüßen im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der German Church School,
Ihre
Teklu Tafesse und Angelika Veddeler
In diesem Jahr wird die German Church School 26 Jahre alt. In diesem Vierteljahrhundert hat sie sich um die Bedürfnisse von tausenden äthiopischer Kinder gekümmert, die aus völlig verarmten Familien in der direkten, slumähnlichen Umgebung der Kirche stammen.
Wir sind froh, daß wir heute einigen der wesentlichen Bedürfnisse von mehr als tausend Kindern und Jugendlichen begegnen können und daß mehrere tausend Menschen auf die eine oder andere Weise aufgrund der Unterstützung, die sie hier bekommen haben, selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen können.
Zur German Church School kommen Kinder, die aus Familien mit geringem oder gar keinem Einkommen stammen. Manche kommen aus großen, Hunger leidenden Familien, und viele andere aus Familien, die durch Krieg oder Dürre aus ihrer ursprünglichen Heimat vertrieben wurden und in der Umgebung der Kirche in Notbehelfen in einem heruntergekommenen Milieu leben. Infolgedessen fehlt vielen Kindern die geeignete Fürsorge, sind sie krank, schlecht gekleidet, unzureichend ernährt und brauchen Hilfe.
In der German Church School bekommen unsere Schüler eine kostenlose Schulbildung, freie medizinische Versorgung, Schuluniformen und Schuhe, ein monatliches Taschengeld und zweimal im Jahr Lebensmittel.
Zum Schuljahreswechsel wünschen wir uns in der German Church School, noch besser für die Bedürfnisse der Kinder sorgen zu können, die uns anvertraut sind.
Der Bau neuer Schulgebäude, die nun zwölf Klassenräume sowie eine Bibliothek, ein Laboratorium, eine Klinik und Büroräume beherbergen, soll dabei helfen, daß das Platzproblem minimiert wird, das wir seit langer Zeit haben.
Am 25. Juni 1998 wird das neue Schulgebäude eingeweiht und eine erste Gruppe von 18 Absolventinnen und Absolventen des Berufsbildungsprogrammes für Sekretärinnen und Sekretäre (Secretarial Studies & Junior Management) macht ihren Abschluß.
Wir stehen in der Schuld der Europäischen Union für ihre finanzielle Unterstützung beim Bau der neuen Schulgebäude. Wir sind ebenso der Kindernothilfe wie auch anderen Spendern und Freunden der Schule zu großem Dank verpflichtet, ohne deren Unterstützung diese ehrenvolle Arbeit niemals hätte getan werden können.
Darum hatte der Kirchenvorstand schon damals jedes Jahr kleine Rücklagen gebildet, um einen Neubau in Angriff nehmen zu können. Aber es ist ja nicht nur das Geld, das man braucht: Auch die anderen Umstände müssen stimmen. Zu Zeiten des Derg-Regimes war ein solches Unterfangen nicht gerade ratsam - siehe das Schicksal der Deutschen Botschaftsschule, die damals enteignet wurde.
Und als dann noch der Beschluß kam, auch die Klassen 7 und 8 auf dem eigenen Gelände zu unterrichten, da blieb einfach nichts anderes als ein völliger Neubau. Im April 1996 fiel im Kirchenvorstand resp. in der Gemeindeversammlung der Beschluß zu bauen!
Beide Angelegenheiten konnten gelöst werden! Für den Unterricht wurde ein Gebäude der Kebeleverwaltung angemietet, das für Unterrichtszwecke umgebaut wurde, und das, wie wir meinten, für ein Schuljahr als Behelf akzeptabel war - daß dann zwei Jahre Unterricht im Blechverhau daraus wurden, ist wohl das äußerste, was den Kindern zugemutet werden konnte.
Das Geld der Rücklage erlaubte uns, das Projekt erst einmal zu starten. Und al dann die Kindernothilfe, unser Partner aus Duisburg, sich erbot, eine Kofinanzierung bei der EG zu beantragen und alsbald andeutete, daß dieser Weg von Erfolg gekrönt sei, waren wir auch der ganzen Sorgen ledig.
Also blieb mehr Zeit, sich um die Baugenehmigung zu kümmern. Sie war auch dringend nötig. Erst mit Amtshilfe der Botschaft erlangten wir das nötige Papier.
Inzwischen sind es Baukosten von gut zwei Millionen äthiopischer Birr geworden, die Ausrüstung der Schule mit neuen Schulmöblen, mit einer Büroausstattung, mit einer neuen Klinik und einem Generator schlagen mit einer weiteren halben Million zu Buche, so daß wir für zweieinhalb Millionen Birr nun insgesamt 28 Räume haben: Ein Problem bleibt: Für eintausend Schüler ist ein Gesamtareal von 1250 qm da, der Schulhof eingeschlossen: Wieviel das pro Schüler sind, können wir jetzt in den neuen Räumen errechnen! Aber nebenan liegt Jan Meda, das wir als Sportplatz benutzen dürfen.
Berend Veddeler, Pfarrer
Das Gespräch führte Margrit Tuente
German Church School - ein Vierteljahrhundert ehrenvoller Arbeit
Liebe Freunde!
Nichtsdestotrotz liegt unser vorrangiges Ziel darin, sie dazu zu erziehen, auf Dauer unabhängig von fremder Hilfe zu werden. Wir möchten ihnen das Selbstbewußtsein vermitteln, daß sie das selbe Potential und Recht haben, vollwertige und unabhängige Menschen zu sein wie jeder andere auch.Nichts freut uns mehr als zu sehen, wie ein krankes Kind behandelt wird, ein nacktes Kind gekleidet und zum Beispiel ein blindes Mädchen davor bewahrt wird, zu betteln und stattdessen neben ihrem sehenden Mitschüler im Klassenraum sitzt. Sie ist natürlich nicht in der Klasse, um nur neben ihrem sehenden Mitschüler zu sitzen, sondern um zu zeigen, daß sie geistig keineswegs blind ist und sogar weit mehr zu geben hat. 90 Prozent unserer sehbehinderten Schülerinnen und Schüler gehören zu den Besten der gesamten Schule. Ich habe nicht den geringsten Zweifel, daß die meisten von ihnen später in der Lage sein werden, für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen und ein produktives Mitglied der Gesellschaft zu sein.
Ich möchte ihnen ebenso gratulieren wie allen anderen, die daraus das Beste für die Zukunft erwarten!
Teklu Tafesse, Schuldirektor der GCSDer Schulneubau
Überlegungen zu einem Neubau der Schule gab es schon viele Jahre. Denn fünf Klassenräume plus ein zusätzlicher Raum für die blinden Schüler: das war schon seit Mitte der 80ger Jahre einfach nicht genug - 800 bis 1000 Schüler lassen sich dann nur in drei Schichten unterrichten.
Mitte der 90ger Jahre schien es günstiger: Es wurden etliche Pläne gemacht, wie man einen Anbau, eine Erweiterung in die Wege leiten könnte. Aber es war immer wieder der Platz, der fehlte.
Zwei Probleme galt es zu lösen: Wohin mit den Schülerinnen und Schülern? Und: Woher kommt das Geld?
In der Zwischenzeit hatte Architekt Fleischer mit seinem äthiopischen Partner einen Plan gemacht, der Gefallen fand, und Ende 1996 wurde dann ein Bauunternehmer gesucht, der die Pläne umsetzte. Am Tag vor Sylvester 1996 wurde der Vertrag mit dem Unternehmer Alemayehu Ketema unterschrieben.
Wir waren damals noch unbedarft genug zu glauben, daß wir neun Monate später ein fertiges Gebäude stehen haben würden.
Wir verlängerten den Termin der Fertigstellung auf Anfang November, auf Mitte Februar, auf Anfang Mai ... und jetzt am 10. Juni hat die übergabe tatsächlich stattgefunden. Es sind also 18 Monate daraus geworden; insbesondere infolge des mangels an ausgebildeten Handwerkern und qualifizierter Aufsicht.
Wir waren gut beraten, auf unserer Seite den Consultant Jürgen Bohn beauftragt zu haben.
Eine Bibliothek, ein kleines Labor, einen Raum für die blinden Schüler, Vorbereitungsräume für die Lehrer sind darin eingeschlossen.
Und als I-Tüpfelchen konnten wir auch noch den Zugang zum Schuleingang fertigstellen, so daß aus der "Rue du Kaque" eine veritable Straße wurde!
![]()
Nicht nur Erste Hilfe leisten, sondern
die Lebensumstände verbessern
Oh ja, daran kann ich mich gut erinnern. Es war 1993, am 1. Dezember, alles war neu und für mich war es eine große Veränderung. Vorher hatte ich als OP-Schwester im Black Lion Hospital gearbeitet, hatte mit allen Altersgruppen zu tun, meistens bei schwereren Eingriffen. Ich mag Kinder gerne, und ich leide immer mit ihnen mit, darum habe ich mich hier beworden.
Für mich selbst ist das Arbeiten hier auch eine Schule gewesen! Ich mußte mich selbst weiterbilden, viel lesen, um mein Wissen zu verbessern. Plötzlich mußte ich ja selbst diagnostizieren, was meinen Patienten fehlt.
Am Anfang habe ich mit Renate Tejiwe zusammen gearbeitet, das war sehr gut. Und der frühere Direktor, Ato Girma, hat mir viel erzählt darüber, wie früher deutsche Frauen aus der Gemeinde die Kinder medizinisch versorgt haben, sie gewaschen haben und sich um ihre Hygiene kümmerten.
Das hat sich im Laufe der Zeit geändert. Hier in der Klinik kümmere ich mich um Erte Hilfe und um alle möglichen Arten von kleineren gesundheitlichen Problemen. Außerdem unterrichte ich alle Klassen in Hygiene.
Ich unterrichte in jeder Klasse eine Stunde pro Woche. In der 1. Klasse fange ich an mit Sauberkeitstraining d.h., ich erkläre den Kindern z.B., wie sie Wasser zubereiten müssen, um Krankheiten zu vermeiden, daß sie es abkochen müssen, daß sie das Geschirr sauber halten usw. Dann kommen in den folgenden Klassen Themen wie Ernährung, sanitäre Einrichtungen, Methoden der Vorbeugung von ansteckenden Krankheiten wie TB, Typhus, Pilzen oder Parasiten und schließlich Aufklärung über die körperliche Entwicklung, STDs (sexuell übertragbare Krankheiten) wie HIV und Familienplanung.
Ich unterrichte nur z.T. selber; zum Teil hole ich Experten von außerhalb. Familienplanung wird z.B. von Mitarbeitern des Instituts für Familienplanung unterrichtet.
Mir geht es darum, das Verhalten der Kinder - und ihrer Familien - zu verändern, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern und Krankheiten zu vermeiden. Darum macht mir das Unterrichten eigentlich am meisten Spaß - ich kann sehen, daß es den Gesundheitszustand und die Lebensumstände der Kinder verbessert, und vor allem in den unteren Klassen hat es einen enormen Einfluß. Dabei orientiere ich mich an den Lebensumständen der Familien. Vor allem die sanitären Bedingungen sind ja oft sehr, sehr unzureichend und führen dazu, daß z.B. viele Kinder unter Parasiten und als Folge davon unter Hautkrankheiten leiden.
Ja, unbedingt. Monatlich biete ich ein besonderes Programm für die Mütter an, und die Teilnahme daran ist verpflichtend für alle. Es geht vor allem um die Mütter der 1. bis 3. Klasse, die oft sehr unwissend sind, was Hygiene betrifft und viel Anleitung brauchen. Auch Familienplanung ist ein wichtiges Thema.
Magen- und Darmparasiten und als Folge Hautprobleme, außerdem Erkältungen und Mandelentzündungen und Ohrenentzündungen. Und Virusinfektionen verbreiten sich unter unsern Schülern in Windeseile.
Ja, wenn die Gefahr besteht, daß Infektionen in der Familie immer weiter übertragen werden. Dann mache ich auch Hausbesuche bei den Familien und bringe den Eltern bei, wie sie die Patienten isolieren, wie sie sie ernähren sollen, und ich bleibe während der Krankheit mit ihnen in Kontakt. Bei Augenproblemen, z.B. Trachoma - das bei unseren Schülern übrogens relativ selten vorkommt - erkläre ich ihnen z.B., daß sie ihre Augen nicht abtrocknen sollen, weil viele Familien nur ein Handtuch haben, oder daß sie sich nicht ein Kopfkissen teilen sollen.
Ja, das stimmt, und ich versuche, sie so zu beraten, wie es ihren Lebensumständen entspricht. Ich kann da natürlich nicht kontrollieren, aber ich sehe an der Verbesserung des Gesundheitszustandes doch, ob sie sich bemühen, meine Ratschläge zu befolgen.
Zuerst ja, da trauen sie sich kaum, einen anzugucken. Aber nach ein paar Wochen ändert sich das und später diskutieren sie ganz offen. Aber es liegt viel daran, wie offen und normal die Unterrichtenden selbst sind.
Auch die Mütter in der 1. Klasse sind sehr schüchtern und ihnen ist alles sehr, sehr peinlich. Aber auch das ändert sich mit der Zeit, wenn sie merken, daß wir ganz normal damit umgehen.
Das ist ein riesiger Unterschied, wirklich ein riesiger Unterschied! Ja ... ich kann es gar nicht ausdrücken. Wir haben warmes Wasser, ein Waschbecken ... Bisher hatten wir ja nur zwei Räume, während des Baus sogar nur einen.
Das war ein Anfang, die Basis für das, was jetzt kommt und ich bin denen sehr dankbar, die mit diesen zwei Räumen einmal angefangen haben. Wir haben auch damit viel gemacht, und es öffnet uns die Augen dafür, was die neuen Möglichkeiten bedeuten.
Aber die neue Klinik ... Sie haben sie ja selbst gesehen ...! Ich weiß, wieviel Arbeit Veddelers damit hatten, und ich schätze sehr, wie sehr sie sich dafür eingesetzt haben.
Ich wünschte, die vielen Besucher, die die alte Klinik gesehen haben und die soviel Interesse hatten, uns zu helfen, die wissen wollten, wie wir an Medikamente kommen usw., könnten noch einmal kommen und sehen, was sich verändert hat!