Die "German Church School"
von Juli - November 1997

Liebe Freunde !
Mit diesem Brief gehen unsere herzlichsten Weihnachtsgrüße an Sie alle auf die Reise von Addis Abeba nach Deutschland. Dankbar können wir auf ein ereignisreiches Jahr zurücksehen, das im Wesentlichen vom Beginn und Fortschreiten bis zur fast planmäßigen Fertigstellung des neuen Schulgebäudes bestimmt war.

Dieses Jahr besuchen 989 Schüler und Schülerinnen unsere Schule, 562 Kinder werden im Rahmen einer Patenschaft von Ihnen, der Kindernothilfe und der finnischen Organisation Interpedia unterstützt. Die anderen bekommen regelmäßige Hilfe von den freien oder zweckgebundenen Spenden, die Sie uns schicken. Haben Sie alle herzlichen Dank für Ihre Spenden und Ihr Interesse, das Sie unserer Arbeit, (und das heißt ja, den Kindern) im vergangenen Jahr entgegengebracht haben.
Lassen Sie mich ein paar Dinge aus den vielen Aktivitäten des letzten Schuljahres herausgreifen und Ihnen damit einen Überblick über das vergangene halbe Jahr geben. Wie üblich erhielten alle Schüler/innen Mitte Juli Teffgetreide und Öl, um die lange Ferienzeit gut zu überstehen. Zum zweiten Mal wurden Schuluniformen an die Schüler/innen verteilt, auf die sie nach wie vor sehr stolz sind. Schuhe für jedes Kind sind bestellt und werden zu Weihnachten verteilt werden können.
In die erste Klasse wurden in einem aufwendigen Auswahlverfahren 46 neue Kinder aufgenommen. Einige davon konnten bereits in unser Patenschaftsprogramm aufgenommen werden.
Für die erste VT Klasse hat das letzte Semester der Sekretärsausbildung begonnen. Erfolgreich haben die jungen Leute wichtige Erfahrungen des alltäglichen Bürolebens im Rahmen eines Praktikums sammeln können.Wir werden Ihnen im nächsten Rundbrief ausführlich von diesem Zweig unserer Arbeit berichten.

Zum ersten Mal: eine siebte Klasse

Um den neuen Gesetzen des Erziehungsministeriums zu genügen, haben wir in diesem Jahr erstmalig eine 7. Klasse mit 40 Schüler/innen eingerichtet. Leider konnten wir wegen Raummangel nicht alle Kinder der ehemaligen 6. Klasse aufnehmen, so daß wir 46 von ihnen in staatliche Schulen schicken mußten. Sie werden aber von den Lehrern unserer Schule in unserem speziellen Samstagsprogramm begleitet. Dort erhalten sie Antworten auf ihre Fragen und bekommen Extraunterricht in allen wichtigen Fächern. Mit der Fertigstellung der neuen Schule wird dann für alle Platz sein! Wir begrüßen die Erweiterung unserer Schule sehr, denn sie gibt uns die Möglichkeit, die Kinder, für die wir gemeinsam mit Ihnen Verantwortung übernommen haben noch ein weiteres Jahr bei uns zu haben und zu prägen.

Die neue Schule

Das große Ereignis des vergangenen Jahres ist das ständig wachsende neue Schulgebäude, dessen Fertigstellung alle Lehrer und Schüler herbeisehnen.
Länger als ursprünglich geplant mußten sie in den provisorischen Klassenräumen Geduld üben. Nun aber geht das Gebäude seiner Fertigstellung entgegen, und wir hoffen auf einen Einzug zu Beginn des neuen Jahres. Das mit roten Dachziegeln gedeckte Dach und mit gelben Steinen verklinkerte Haus erweckt viel Neugier und sieht hübsch aus. Da sich auch die EU an der Finanzierung beteiligt, sind die aktuellen Baukosten gut abgedeckt. Wir können also die von Ihnen eingegangenen Spenden des letzten Jahres für die Inneneinrichtung verwenden. Dafür sind wir sehr dankbar.

Integration von blinden Kindern in die Klassen

Wir können auf sieben Jahre Erfahrung mit blinden Kindern in den regulären Klassen zurückschauen. Das als Pilotprojekt für Äthiopien gestartete Unternehmen hat sich bewährt. Es ist schön anzusehen, wie gesunde Kinder in den Pausen ihre blinden Klassenkameraden über den Schulhof geleiten. In den speziellen Lehrerfortbildungen dieses Jahres machten sich alle Kollegen Gedanken zu einem noch besseren Umgang mit diesem Integrationsprogramm. Die geistige Auseinandersetzung mit diesem Thema soll in Zukunft noch ausgebaut und fortgesetzt werden.

Die Schulklinik

Wie Sie wissen, erhalten alle unsere Schüler/innen freie medizinische Versorgung in der schuleigenen kleinen Klinik, in der eine Krankenschwester tätig ist. Die meistgestellte Diagnose dieses Jahres lautet auf: Typhus, Paratyphus und Tuberkulose. Besonders bei den Kindern der ersten Klasse sind Symptome von Mangel- und Unterernährung festgestellt worden. Alle Kranken erhielten Medizin, Geld für eine Extradiät und Begleitung, und wir sind dankbar, daß alle gesunden durften.

Lassen Sie mich mit einem besonders schönen Erlebnis diesen Brief an Sie abschließen.

Ein spezielles Angebot für alle Schüler/innen der 12. Klasse besteht in der Möglichkeit Extrastunden von den Lehrern unserer Schule zu bekommen. Dieses begleitende Lehren und Lernen hat das schöne Ergebnis gehabt, daß fünf der von Ihnen unterstützten jungen Leute so gute Ergebnisse erzielten, daß sie die Universität besuchen können. Zu Beginn des neuen Schuljahres gab es zu ihren Ehren ein großes Fest in der Kirche mit Ansprachen und der Überreichung von Geschenken.
Einer der erfolgreichen Schüler ermunterte die Schüler/innen aller Klassen mit folgenden Worten:

Kerze"Liebe Mitschüler und Mitschülerinnen! Wir haben ein großes Privileg, daß wir in dieser guten Schule lernen dürfen und so viel Unterstützung erhalten. Nehmt das nicht als etwas Selbstverständliches, sondern werdet nicht müde, jeden Tag euer Bestes zu geben. Ihr seht, daß euch dann eines Tages das Tor zur Universität offen stehen kann."

Diese Rede hat alle, die an der Feier teilnahmen sehr berührt und beeindruckt, und so möchten wir auch Sie, die Pateneltern, Spender und Freunde unseres Projektes daran teilhaben lassen. Es ist überwältigend, die armen Lebensumstände der Familien dieser jungen Leute zu kennen und gleichzeitig von dem Anfang ihrer akademischen Laufbahn sprechen können.
Auch wenn natürlich nicht alle Kinder dieses Ergebnis erreichen können, ist es doch eine sehr ermutigende Erfahrung und ein Ansporn für uns alle, mit dieser Arbeit fortzufahren.
Da die zukünftigen Studenten auch in Zukunft Hilfe für die Zeit des Studiums brauchen, haben wir uns entschlossen, ein erweitertes Unterstützungsprogramm für sie einzurichten, das über den Abschluß der 12. Klasse hinausgeht.

Herzlichen Dank für all Ihre Mithilfe!

Ihre
Teklu Tafesse, Direktor und Angelika u. Berend Veddeler, Deutsche Gemeinde


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