2. Neubau
Für die Zeit des Neubaus mußte im letzten Sommer ein Ausweichquartier für die
Schule gefunden werden: Es gelang nach schwierigen Verhandlungen, eine ehemalige Lagerhalle
vom örtlichen Kebele anzumieten, aus der dann von uns durch Einziehen von Wänden
und einer Decke Klassenräume gemacht werden konnten. Seit Oktober letzten Jahres sind
nun alle Klassen dort untergebracht, der Mietvertrag besteht für ein Jahr (ggf.
verlängerbar). Diese Unterbringung ist in jeder Hinsicht ein Provisorium - wir sind allerdings
froh, diese Möglichkeit hier in der Nähe gefunden zu haben, so daß sich
für die Kinder der Schulweg nicht wesentlich ändert und kein Transportproblem sich
stellt.
Seit Dezember wird nun auf dem Schulgelände gebaut: Nach und nach wurden die alten
Gebäude abgerissen und der Neubau gestartet. Mittlerweile werden die Decken des
Erdgeschosses eingezogen. Wir hoffen auf die Fertigstellung des Baus bis Oktober 1997 und einen
möglichen Umzug der Schule im November (jedenfalls noch vor Weihnachten; jedenfalls
noch vor äthiopisch Weihnachten!)
Das neue Schulgebäude bietet mehr Klassenräume, einen Verwaltungstrakt,
Räume für die Berufsausbildung, größere Räume für die
Klinik (so daß wir hoffen, sie dann staatlich anerkennen lassen zu können) und
erstmals auch Vorbereitungsräume für die Lehrer sowie eine Schülerbibliothek.
3. Vocational Training
Im September 1996 begann der Ausbildungskurs für Sekretäre/innen mit 20
Jugendlichen. Sie hatten bereits seit Februar einen Intensivkurs Englisch hier absolviert, der gute
Ergebnisse zeigte. Während der Sommermonate waren die Lehrpläne entstanden;
erstellt vom Koordinator für die Berufsausbildung, Ato Degafi, in Anlehnung an diejenigen
vergleichbarer Ausbildungen hier im Land. Teilzeitlehrkräfte vor allem von der Uni und vom
Secreterial Training College wurden gewonnen, zwei Lehrer unserer Schule unterrichten selber im
V.T..
Als neues Fach haben wir "Work Ethics" eingeführt, der Lehrplan wird von Frau
Peter entwickelt,die dieses Fach auch selber unterrichtet.
Grundsätzlich bleibt unser erklärtes Ziel, die Praxisorientierung der Ausbildung, ein
Problem. Dies zu realisieren erfordert immer wieder intensive Gespräche sowohl mit dem
Koordinator als auch mit den Unterrichtenden: Sie alle sind einen praxisorientierten Unterrichtsstil
kaum gewohnt und lehnen ihn eher als "minderwertig" ab.
Im Sommer soll nun das erste Büropraktikum stattfinden: Für 3 oder 4 Woche suchen
wir zur Zeit Praktikumsplätze in Büros hier in Addis Abeba. Danach folgt das zweite
Ausbildungsjahr, das mit einem mehrmonatigen Praktikum abschließen soll.
4. Verwaltung
Mindestens 70 % der Arbeit, die von allen Sekretärinnen im Gemeinde- und
Schulbüro getan wird, betrifft die Schule. Nachdem im letzten Frühjahr eine neue
Schulsekretärin begonnen hatte - Frau Etaferahew Semene - und sehr gute, engagierte Arbeit
tut, gibt es seit Mai dieses Jahres im Schul- und Gemeindebüro eine weitere
Sekretärin: Frau Eyerusalem Adefres kümmert sich hauptsächlich um die
Korrespondenz zwischen Pateneltern und Patenkindern und um die Informationsarbeit für die
Patenschaften. Dieser Bereich ist in den letzten Jahren so gewachsen, daß eine weitere
Arbeitskraft dafür notwendig wurde. Mit Frau Adefres haben wir jemanden mit Deutsch-,
Englisch- und Amharischkenntnissen, die für diese Arbeit gut geeignet ist. Frau Renate
Gerner hat nach zweieinhalb Jahren ihre Arbeit hier beendet, Frau Sabine Peter hat ihre Nachfolge
angetreten. Frau Gerner hat sich besonders im Bereich der Patenschaften sehr engagiert - wir
danken ihr für die gute Zusammenarbeit der letzten Jahre und wünschen ihr und ihrer
Familie alles Gute für den Rückzug nach Deutschland.
Auch das Äußere des Büros hat sich gewandelt: Mit Mitteln, die für eine
Verbesserung der Schulverwaltung zweckbestimmt sind und die wir vor einem Jahr beim
Evangelischen Missionswerk in Hamburg beantragt hatten, konnte die gesamte
Büroeinrichtung erneuert werden und ein zusätzlicher Computer, Photokopierer und
ein neues Telefonsystem angeschafft werden. Ein Intensivdeutschkurs für Frau Adefres
sowie Computerkurse für Frau Etaferahew Semene, Ato Degafi und Ato Teklu wurden
ebenfalls davon finanziert.
5. Veränderungen/Zukunftsaussichten
1. Die beiden Haupt - Bereiche der schulischen Arbeit bedürfen einer Evaluierung, eventuell
muß es Veränderungen geben: Die Gestaltung der materiellen Hilfe an die
Schüler und das pädagogische Niveau des Unterrichts. Es wurden in der letzten
Sitzung des Board of Governors zwei Kommittees gebildet, die sich eingehend mit diesen Fragen
beschäftigen. Das "Sozialkommittee" hat bereits Vorschläge gemacht, die
nun erprobt werden sollen:
- In einem Versuch sollen im nächsten Schuljahr 40 % der Anfänger nicht mehr nur
aus dem Bereich der "Ärmsten der Armen", sondern durchaus auch aus der
Gruppe der "Working Poor" kommen. Mit einer größeren Vermischung
sozialer Gruppen an unserer Schule erhoffen wir uns
letztlich bessere Schulerfolge für unsere Zielgruppe - die, wenn sie nur unter sich bleibt,
oftmals eine niedrige Selbsteinschätzung auch durch den Besuch der Schule nicht ablegen
kann. ("If I am poor I will be helped").
- Anstelle der zweimal jährlich stattfindenden Verteilung von Teff und Öl an alle
Schüler soll im nächsten Schuljahr eine tägliche Schulspeisung
eingeführt werden (Brot und Früchte für jedes Kind).
Das Pädagogikkommittee macht zur Zeit noch Unterrichtsbesuche und wird daraus ein
intensives Lehrerfortbildungsprogramm entwickeln.
2. Gemäß den neuen Richtlinien der Regierung müssen wir die Klassen 7 und 8 einführen, um weiterhin anerkannte Grundschulabschlüsse geben zu können. Dies soll mit Beginn des nächsten Schuljahres im neuen Gebäude geschehen (zunächst Klasse 7, im Schuljahr 98/99 dann Klasse 8).
3. Langfristige Perspektive: Die Verwaltung der Schule und ihre Öffentlichkeitsarbeit ist bislang vorwiegend vom Pfarrhaus aus getan worden . Langfristig erscheint es jetzt aber sinnvoll, daß mehr Verantwortung für diese Arbeit innerhalb der Schule selbst getan wird. Daher wurde eine Umstrukturuierung der Verwaltung ins Auge gefaßt, nach der ein neuer Direktorenposten geschaffen werden soll mit wesentlich mehr Schulleitungs - und Verwaltungsaufgaben als bislang. Da eine solche grundsätzliche Umstrukturierung ein wichtiger und umfangreicher Prozeß ist, der nicht noch nebenher durchgeführt werden kann, soll nun ein/e Berater/in gesucht werden, die/der zwei Jahre hier den Inhaber dieses neuen Postens einführt und anleitet gemäß der neuen Aufgabenstellung.
6. Dank
Die Arbeit in der German Church School ist sehr umfangreich und vielfältig. Sie kann nur
getan werden, weil wir viele Spenden und Unterstützungen erhalten und weil Menschen in
Addis Abeba und "overseas" sich persönlich für diese Arbeit einsetzen. Daher wollen wir abschließend sehr herzlich danken für all Ihr Engagement, das diese Arbeit trägt.
Angelika Veddeler