Jahresbericht German Church School
vorgelegt der Gemeindeversammlung am 1. Juni 1997

1. Zahlen

In diesem Schuljahr gehen 1008 Kinder und Erwachsene in unsere Schule. Davon besuchen 426 Jungen und Mädchen die Grundschule (Klasse 1 bis 6 ), 255 Jugendliche das Samstagsprogramm (Kontakt- und Tutorenprogramm für alle ehemaligen GCS - Schüler/innen, die nach ihrem Abschluß der 6. Klasse auf staatliche Schulen hier in Addis gehen, weiterhin durch GCS unterstützt), 284 Erwachsene sind im Abendprogramm (Grundschulbildung für Erwachsene), 23 blinde Kinder gehen in die Klassen 1 bis 6, und 20 Jugendliche (16 ehemalige Schüler/innen der GCS, je 2 Jugendliche von der Mekane Yesus- und der Orthodoxen Kirche ) besuchen den Berufsausbildungszweig.
Wir haben für unsere Schüler/innen insgesamt 563 Patenschaften, davon kommen 220 von der Kindernothilfe/ Deutschland, 138 von Interpedia/ Finnland und 205 aus dem Freundeskreis der Gemeinde und Schule ("German Church Fosterships"). Die Zahl der Patenschaften ist also erfreulich gestiegen- insgesamt um 71 im Vergleich zum Vorjahr, es fehlen uns allerdings immer noch 138 Unterstützungen zu dem Ziel, alle Kinder mit einer Patenschaft unterstützen zu können.

2. Neubau

BaustelleFür die Zeit des Neubaus mußte im letzten Sommer ein Ausweichquartier für die Schule gefunden werden: Es gelang nach schwierigen Verhandlungen, eine ehemalige Lagerhalle vom örtlichen Kebele anzumieten, aus der dann von uns durch Einziehen von Wänden und einer Decke Klassenräume gemacht werden konnten. Seit Oktober letzten Jahres sind nun alle Klassen dort untergebracht, der Mietvertrag besteht für ein Jahr (ggf. verlängerbar). Diese Unterbringung ist in jeder Hinsicht ein Provisorium - wir sind allerdings froh, diese Möglichkeit hier in der Nähe gefunden zu haben, so daß sich für die Kinder der Schulweg nicht wesentlich ändert und kein Transportproblem sich stellt.
Seit Dezember wird nun auf dem Schulgelände gebaut: Nach und nach wurden die alten Gebäude abgerissen und der Neubau gestartet. Mittlerweile werden die Decken des Erdgeschosses eingezogen. Wir hoffen auf die Fertigstellung des Baus bis Oktober 1997 und einen möglichen Umzug der Schule im November (jedenfalls noch vor Weihnachten; jedenfalls noch vor äthiopisch Weihnachten!)
Das neue Schulgebäude bietet mehr Klassenräume, einen Verwaltungstrakt, Räume für die Berufsausbildung, größere Räume für die Klinik (so daß wir hoffen, sie dann staatlich anerkennen lassen zu können) und erstmals auch Vorbereitungsräume für die Lehrer sowie eine Schülerbibliothek.

3. Vocational Training

Im September 1996 begann der Ausbildungskurs für Sekretäre/innen mit 20 Jugendlichen. Sie hatten bereits seit Februar einen Intensivkurs Englisch hier absolviert, der gute Ergebnisse zeigte. Während der Sommermonate waren die Lehrpläne entstanden; erstellt vom Koordinator für die Berufsausbildung, Ato Degafi, in Anlehnung an diejenigen vergleichbarer Ausbildungen hier im Land. Teilzeitlehrkräfte vor allem von der Uni und vom Secreterial Training College wurden gewonnen, zwei Lehrer unserer Schule unterrichten selber im V.T..
Als neues Fach haben wir "Work Ethics" eingeführt, der Lehrplan wird von Frau Peter entwickelt,die dieses Fach auch selber unterrichtet.
Grundsätzlich bleibt unser erklärtes Ziel, die Praxisorientierung der Ausbildung, ein Problem. Dies zu realisieren erfordert immer wieder intensive Gespräche sowohl mit dem Koordinator als auch mit den Unterrichtenden: Sie alle sind einen praxisorientierten Unterrichtsstil kaum gewohnt und lehnen ihn eher als "minderwertig" ab.
Im Sommer soll nun das erste Büropraktikum stattfinden: Für 3 oder 4 Woche suchen wir zur Zeit Praktikumsplätze in Büros hier in Addis Abeba. Danach folgt das zweite Ausbildungsjahr, das mit einem mehrmonatigen Praktikum abschließen soll.

4. Verwaltung

Mindestens 70 % der Arbeit, die von allen Sekretärinnen im Gemeinde- und Schulbüro getan wird, betrifft die Schule. Nachdem im letzten Frühjahr eine neue Schulsekretärin begonnen hatte - Frau Etaferahew Semene - und sehr gute, engagierte Arbeit tut, gibt es seit Mai dieses Jahres im Schul- und Gemeindebüro eine weitere Sekretärin: Frau Eyerusalem Adefres kümmert sich hauptsächlich um die Korrespondenz zwischen Pateneltern und Patenkindern und um die Informationsarbeit für die Patenschaften. Dieser Bereich ist in den letzten Jahren so gewachsen, daß eine weitere Arbeitskraft dafür notwendig wurde. Mit Frau Adefres haben wir jemanden mit Deutsch-, Englisch- und Amharischkenntnissen, die für diese Arbeit gut geeignet ist. Frau Renate Gerner hat nach zweieinhalb Jahren ihre Arbeit hier beendet, Frau Sabine Peter hat ihre Nachfolge angetreten. Frau Gerner hat sich besonders im Bereich der Patenschaften sehr engagiert - wir danken ihr für die gute Zusammenarbeit der letzten Jahre und wünschen ihr und ihrer Familie alles Gute für den Rückzug nach Deutschland.
Auch das Äußere des Büros hat sich gewandelt: Mit Mitteln, die für eine Verbesserung der Schulverwaltung zweckbestimmt sind und die wir vor einem Jahr beim Evangelischen Missionswerk in Hamburg beantragt hatten, konnte die gesamte Büroeinrichtung erneuert werden und ein zusätzlicher Computer, Photokopierer und ein neues Telefonsystem angeschafft werden. Ein Intensivdeutschkurs für Frau Adefres sowie Computerkurse für Frau Etaferahew Semene, Ato Degafi und Ato Teklu wurden ebenfalls davon finanziert.

5. Veränderungen/Zukunftsaussichten

1. Die beiden Haupt - Bereiche der schulischen Arbeit bedürfen einer Evaluierung, eventuell muß es Veränderungen geben: Die Gestaltung der materiellen Hilfe an die Schüler und das pädagogische Niveau des Unterrichts. Es wurden in der letzten Sitzung des Board of Governors zwei Kommittees gebildet, die sich eingehend mit diesen Fragen beschäftigen. Das "Sozialkommittee" hat bereits Vorschläge gemacht, die nun erprobt werden sollen:
- In einem Versuch sollen im nächsten Schuljahr 40 % der Anfänger nicht mehr nur aus dem Bereich der "Ärmsten der Armen", sondern durchaus auch aus der Gruppe der "Working Poor" kommen. Mit einer größeren Vermischung sozialer Gruppen an unserer Schule erhoffen wir uns letztlich bessere Schulerfolge für unsere Zielgruppe - die, wenn sie nur unter sich bleibt, oftmals eine niedrige Selbsteinschätzung auch durch den Besuch der Schule nicht ablegen kann. ("If I am poor I will be helped").
- Anstelle der zweimal jährlich stattfindenden Verteilung von Teff und Öl an alle Schüler soll im nächsten Schuljahr eine tägliche Schulspeisung eingeführt werden (Brot und Früchte für jedes Kind).
Das Pädagogikkommittee macht zur Zeit noch Unterrichtsbesuche und wird daraus ein intensives Lehrerfortbildungsprogramm entwickeln.

2. Gemäß den neuen Richtlinien der Regierung müssen wir die Klassen 7 und 8 einführen, um weiterhin anerkannte Grundschulabschlüsse geben zu können. Dies soll mit Beginn des nächsten Schuljahres im neuen Gebäude geschehen (zunächst Klasse 7, im Schuljahr 98/99 dann Klasse 8).

3. Langfristige Perspektive: Die Verwaltung der Schule und ihre Öffentlichkeitsarbeit ist bislang vorwiegend vom Pfarrhaus aus getan worden . Langfristig erscheint es jetzt aber sinnvoll, daß mehr Verantwortung für diese Arbeit innerhalb der Schule selbst getan wird. Daher wurde eine Umstrukturuierung der Verwaltung ins Auge gefaßt, nach der ein neuer Direktorenposten geschaffen werden soll mit wesentlich mehr Schulleitungs - und Verwaltungsaufgaben als bislang. Da eine solche grundsätzliche Umstrukturierung ein wichtiger und umfangreicher Prozeß ist, der nicht noch nebenher durchgeführt werden kann, soll nun ein/e Berater/in gesucht werden, die/der zwei Jahre hier den Inhaber dieses neuen Postens einführt und anleitet gemäß der neuen Aufgabenstellung.

6. Dank

Die Arbeit in der German Church School ist sehr umfangreich und vielfältig. Sie kann nur getan werden, weil wir viele Spenden und Unterstützungen erhalten und weil Menschen in Addis Abeba und "overseas" sich persönlich für diese Arbeit einsetzen. Daher wollen wir abschließend sehr herzlich danken für all Ihr Engagement, das diese Arbeit trägt.

Angelika Veddeler


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