Die German Church School
Rundbrief vom Juni 2010
 
Liebe Freunde der German Church School,

nächste Woche endet das äthiopische Schuljahr, die Schülerinnen und Schüler der GCS warten gespannt auf ihre Zeugnisse. Unsere Achtklässler haben wir bereits verabschiedet, ebenso die Erwachsenen, die ihren Schulabschluss nach vier Jahren Unterricht an der Abendschule der GCS erfolgreich abgeschlossen haben. Es ist bewegend mitzuerleben, mit welcher Freude und berechtigtem Stolz die oft noch sehr jungen Frauen und Männer ihr Abschlusszeugnis in Empfang nehmen. Über 40 Prozent von ihnen sind Eltern unserer Schulkinder - ein Zeichen dafür, dass das Bildungsangebot der German Church School in die Familien hineinreicht und Veränderung bewirkt.

school kids

Die Schulabgänger sind hierzulande - und auch an unserer Schule - sehr auf einen Platz an der Uni fixiert. Es wird uns zunehmend wichtig, die handwerkliche Ausbildung als gleichberechtigte Alternative zu betonen. Kaum etwas braucht dies Land so sehr wie gut ausgebildete Fachkräfte. Wir haben darum erstmals alle ehemaligen Schüler eingeladen, die soeben ihren Berufsschulabschluss gemacht haben. Sie haben unseren Zehntklässlern von ihrer Ausbildung berichtet und sind mit einer Feier und einem kleinen Abschiedsgeschenk von "ihrer alten GCS" geehrt worden.

Im Februar fand zum wiederholten Male eine Schülerbegegnung mit Elftklässlern des Friedrich-Ebert-Gymnasiums in Sandhausen bei Heidelberg statt. Die Jugendlichen absolvieren ihr Sozialpraktikum hier in Äthiopien, die GCS profitiert zudem vom Engagement und Know How der deutschen Lehrkräfte. Es kommt zu interkulturellem Lernen auf beiden Seiten, die jungen Leute aus Deutschland erleben Äthiopien nicht nur als Land voller Armut, sondern begegnen gleichermaßen dem kulturellen und spirituellen Reichtum Äthiopiens. Das ist die Erfahrung aller Reisenden hier, und das bleibt auch unsere tägliche Erfahrung hier.

ethiopian and german students

Im März startete wieder der jährliche Ausflug der blinden Kinder ins Landesinnere. Mit ihren sehenden Partnern wagten sie sich diesmal bis Arba Minch ganz im Süden, malerisch zwischen zwei großen Seen gelegen. Obwohl sie nicht sehen können, nehmen die blinden Jugendlichen die neue Umgebung jeweils ganz intensiv und freudig wahr. Als wir an einem großem Wasserfall standen, konnten alle miteinander das rauschende Wasser nur hören: eine dichte Nebelwolke verhüllte die Sicht auch uns Sehenden, sodass wir uns für einen Moment alle in der gleichen Situation befanden.

school kids in Arba Minch

Viele freundliche Besucher konnten wir wieder an der GCS empfangen: Pateneltern, Reisegruppen, Journalisten und eine Delegation des Evangelischen Entwicklungsdienstes (eed), der hier gemeinsam mit Brot für die Welt ein Büro eröffnet hat. Landesbischof Dr. Otfried July aus Stuttgart hielt die Gastpredigt am Sonntag nach Ostern und zeigte sich zugleich sehr beeindruckt vom Besuch der German Church School.

school kids

Wenig vorangekommen sind wir auch im dritten Jahr unserer Bewerbung mit der geplanten Schulerweiterung. Wir warten immer noch auf grünes Licht für den Erhalt unseres Nachbargrundstücks. Schuldirektor und Pastor lassen sich mit steter Regelmäßigkeit auf dem Bürgermeisteramt blicken und versuchen, die behördlichen Räder mit anzuschieben. Aber das ist alles andere als einfach. Hoffen, beten und arbeiten wir also weiter dafür, dass die Kinder an der GCS eines Tages nicht mehr in zwei Schichten kommen müssen!

Erfreulich ist die Entwicklung unseres vor zwei Jahren begonnenen Kindergartenprogramms. Not macht bekanntlich erfinderisch, und so entwickelt sich ein Zweig unserer Arbeit, der nicht von räumlichen Erweiterungen abhängig ist. Sabine Gossens berichtet:

"Dieses Jahr haben fünf Kinder, die zuvor im Kindergartenprogramm gefördert wurden, an der GCS die erste Klasse abgeschlossen. Zugegeben, zunächst hatten sie etwas Schwierigkeiten, mit den anderen Kindern mitzuhalten. Unser Kindergartenprogramm war ja noch neu und so hatten diese fünf schon nach nur einem Jahr Vorschulerziehung den Schritt in die Schule gewagt. Im Laufe des Jahres haben sie sich gut entwickelt und können nun mit den anderen mithalten. Nach dem Sommer werden wir 10 Kinder aus dem Kindergartenprogramm an der GCS aufnehmen können, die inzwischen zwei Jahre im Kindergarten vorbereitet wurden.

kindergarten kids

Insgesamt werden wir die Zahl der Kinder im Kindergarten auf 25 erhöhen. Dank der Spenden für das Kindergartenprogramm ist dies möglich. Es freut uns deshalb besonders, weil wir hier wirklich bitter armen Menschen helfen, die sich sonst nie einen Kindergartenplatz für ihre Kinder leisten könnten. Im ersten Jahr lebten 3 der Kinder mit ihren Familien nur vom Betteln auf der Straße. Die Eltern, meist alleinerziehende Mütter, kommen regelmäßig und gerne zu Kursen, die von unserer neuen Krankenschwester Marta in Hygiene, Ernährung und Erziehung angeboten werden. Durch diese Elternarbeit erleben wir kleine aber gute Fortschritte im Leben der Familien. Inzwischen haben sich die bettelnden Eltern(teile) um Arbeit bemüht und wenigstens einen Unterschlupf zum Leben gefunden.

Eines der Kinder ist Yeserash Yawkal - der Name bedeutet: mein Schöpfer weiß. Sie ist ein aufgewecktes Mädchen, das mit seiner Schwester und Mutter in unmittelbarer Nähe der GCS lebt. Die Mutter ist extrem kurzsichtig, und als wir Yeserash Yawkal in das Kindergartenprogram aufnahmen, lebten alle drei vom Betteln. Nachdem wir der Mutter zu einer Brille verholfen hatten, konnte sie sich um Arbeit bemühen. Yeserash Yawkal konnte in den Kindergarten gehen, der für die Mutter ansonsten unbezahlbar gewesen wäre. Da sie schon kurz danach 7 Jahre alt wurde, haben wir sie nach einem Jahr in die Schule aufgenommen. Sie lernt fleißig und gerne und hat sich in dem ersten Schuljahr gut entwickelt.

school kids school kids

Dieses Jahr ist die Regenzeit viel früher als üblich eingetroffen. So haben wir (zumindest hier in Addis) keine Probleme mit Wassermangel oder ständigen Stromausfällen wie im vergangenen Jahr. Der meiste Strom in Äthiopien wird durch Wasserkraft gewonnen. Allerdings ist es nun vor allem nachts sehr kalt, in viele Hütten regnet es rein und auf den Straßen ist ein unglaublicher Matsch. Viele werden in dieser Zeit krank, und besonders Tuberkulose und Lungenentzündungen sind für die Menschen sehr gefährlich. Wir sind dankbar, dass wir dank Ihrer Spenden die Kindergartenkinder mit einer Decke für die kalten Nächte und Schuhen ausstatten konnten. In der Regenzeit merken wir besonders, wie wichtig es ist, dass alle unsere GCS-Kinder durch unsere Krankenschwester medizinisch versorgt werden."

Lassen Sie sich alle herzlich für Ihr Interesse und vor allem für Ihre treue Unterstützung danken. Trotz Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Spenden für die German Church School konstant geblieben, der schwächer werdende Euro hat bisher kein allzu tiefes Loch gerissen. Wir grüßen Sie alle sehr herzlich und wünschen Ihnen eine angenehme Sommerzeit. Seien Sie unserm guten Gott befohlen, er hält seine Hand gleichermaßen über die Menschen hier in Äthiopien und dort in Europa.

Ato Teklu Tafesse, Schulrektor und
Martin Gossens, Pastor

P.S. Bitte teilen Sie uns mit, wenn sich Ihre Adresse ändert. Auch bitten wir neue Spender ihre vollständige Adresse bei einer Banküberweisung anzugeben.
Immer wieder haben wir mit Internetproblemen und Stromausfällen zu tun, manchmal erreichen Mails uns nicht oder wir können sie nicht versenden. Bitte komprimieren Sie Fotos und senden Sie uns keine Anhänge mit mehr als 250 KB. Danke!
 
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