Die German Church School
Rundbrief vom November 2008
 
Liebe Freunde der German Church School,

Sportunterricht 1. KLasse 2008mit großer Freude können wir Ihnen mitteilen, dass wir mit Beginn des neuen Schuljahres 2008/09 81 neue Kinder in die erste Klasse und zusätzlich 4 sehbehinderte Schüler in die Vorbereitungsklasse des Integrationsprogramms aufgenommen haben.

Einige Kinder des Kindergarten-Projektes mit ihren ElternAußerdem haben wir ein neues Projekt begonnen: 16 sehr arme Familien mit Kindern zwischen 4-6 Jahren werden finanziell unterstützt, sodass diese einen Kindergarten besuchen können, um später einen besseren Start in der GCS zu haben.

In diesem Herbst hatten wir hohen Besuch. Im September kam eine Delegation des Rats der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) unter Leitung von Bischof Dr. Wolfgang Huber, anschließend besuchte uns der deutsche Botschafter. Traditionelle Neujahrslieder (Neujahr in Äthiopien ist am 11.09.!) und eine Karateshow durch unsere blinden Schüler fanden dabei besonderen Anklang.

Besuch Bischof HuberEiner der blinden Schüler, die im Juli 2008 die Universität erfolgreich beendet haben, ist Geletaw Mulu. Geletaws Vater ist Bauer im äthiopischen Hochland. Geletaw ist das zweite Kind, er hat noch einen Bruder und zwei Schwestern. Auf die Frage, wie Geletaw erblindete, antwortet sein Vater traurig:
"Seine Mutter starb, als Geletaws acht Jahre alt war. Wenige Wochen später entzündeten sich sein Augenlid. Wir ließen ihn mit traditioneller Medizin behandeln. Wahrscheinlich infizierte das Wundsekret beide Augen, sodass diese für drei Monate verklebten und mein Sohn sie nicht mehr öffnen konnte. Als sich Geletaws Zustand weiter verschlimmerte, brachte ich ihn nach Addis Abeba, um ihn behandeln zu lassen. Um die Hauptstadt zu erreichen, waren wir erst mal zwei Tage zu Fuß und auf Pferden unterwegs, mussten den großen Abbay-Fluss (=Blauer Nil) überqueren, um schließlich von einer größeren Stadt mit dem Bus weiterzukommen. In Addis wohnten wir zunächst bei entfernten Verwandten, die uns in ein Regierungskrankenhaus brachten. Ich sollte da viel Geld für die Behandlung bezahlen, was ich jedoch nicht hatte. Aus dieser Not heraus entschied ich, meinen Sohn bei meinen Verwandten zu lassen und selbst zurück zu meiner Familie zu gehen."

Geletaw mit seinem Vater und seinem BruderGeletaw musste betteln gehen um zu überleben. Dann hörte er, dass in der GCS blinde Kinder unterrichtet würden und ließ sich zu uns bringen.
Nach einem kurzen Gespräch und der medizinischen Bestätigung, dass er völlig erblindet war, wurde er aufgenommen. Innerhalb von 3 Monten erlernte er die Braille-Schrift, was normalerweise viel länger dauert.
Als sein Vater viel später wieder zu ihm kam, war er sehr erstaunt, dass sein Sohn schon die 3. Klasse besuchte und sogar ein Schuljahr übersprungen hatte! In allen Fächern war er ein hervorragender Schüler, spielte beim Schultheater mit und nahm an der Lese-AG teil.

Trotzdem war seine Situation weiter schwierig. Auch wenn er finanziell mit dem Patenschaftsgeld seine Gastfamilie unterstützte, wurde er gezwungen, nachmittags weiter zu betteln. Das wirkte sich auch auf seine schulischen Leistungen aus. Wir entscheiden kurzerhand, ihn mit drei anderen blinden Schülern in einer kleinen Mietwohnung unterzubringen. Das wirkte sich bei allen positiv aus.

Geletaw hatte sehr gute Abschlusszeugnisse und konnte so an der Uni in Mekele Jura studieren. Er wurde weiterhin durch seine deutschen Pateneltern unterstützt. Am Tag der Examensfeier lernten wir seinen Vater und den jüngeren Bruder kennen:
"Es ist wirklich ein Wunder, einfach weil ich nie wusste, dass es Bildungsmöglichkeiten für Blinde gibt. Nicht mal sein Bruder, der sehen kann, hatte die Möglichkeit, Lesen und Schreiben zu lernen. Ich schäme mich dafür, mich Vater zu nennen, denn die GCS hat all das für meinen Sohn getan, was ich hätte tun sollen. Dafür danke ich Gott!"

An dieser Stelle möchten wir uns herzlich bei Ihnen bedanken, denn nur durch Ihre Spende wird unsere Arbeit erst ermöglicht!

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2009 wünschen Ihnen

Ato Teklu Tafesse, Direktor und Martin Gossens, Pastor

  

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