Die German Church School
Rundbrief vom Juni 2008
 
Liebe Freunde der German Church School,

Mikias [rechts] mit seinen FreundenMikias ist 11 Jahre alt und Schüler der 4.Klasse. Er kommt wie alle seine Mitschüler aus einer sehr armen Familie. Der Junge lernt zielstrebig und spielt gerne Fußball. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass Mikias blind ist. Vor ein paar Wochen hat ihn ein Fernsehteam auf dem Weg nach Hause begleitet. Die Filmleute waren überrascht, wie selbstsicher Mikias sich bewegt. Keine Spur von Selbstmitleid, sondern Tatendrang und jede Menge Pläne für die Zukunft: Wenn er groß ist, möchte Mikias Anwalt werden. Wir sind alle sicher, dass er das schafft. Mikias gehört zu den 50 jungen Leuten, die gemeinsam mit den sehenden Schülern an der German Church School unterrichtet oder inzwischen als Studierende weiter unterstützt werden.

Blinde GCS-Schüler sind die Besten!

Ausflug mit den blinden Schülern zum Lake AwassaDas Schuljahr neigt sich dem Ende zu, Zeit also für einen Gruß an Sie alle hier aus Addis. Unsere Schülerinnen und Schüler legen sich in diesen Tagen ins Zeug, um bei den Zeugnissen gut abzuschneiden. Wie gesagt, besonders unsere blinden und sehbehinderten Kinder. Einige von ihnen haben vor zwei Wochen in Mekele 700 km nördlich von Addis an einem nationalen Wettbewerb teilgenommen und sowohl im Team als auch in der Einzelwertung landesweit den ersten Platz belegt. Das erfüllt nicht nur die Jugendlichen selbst, sondern auch ihre Lehrer mit Stolz. Im Integrationsprogramm arbeiten eine Lehrerin und fünf Lehrer mit, die sich regelmäßig fortbilden und viel Zeit auf die gezielte Förderung der blinden SchülerInnen verwenden.

Mangelware Baugrundstücke

Unsere Nachbarn. Eine Hilfsorganisation für BlindeWie bereits berichtet, haben wir große Pläne für die Zukunft.
Der Unterricht muss aus Mangel an Platz immer noch in zwei Schichten durchgeführt werden (mit der Abendschule für die Erwachsenen sind es sogar drei). Die German Church School soll so bald wie möglich in eine Ganztagsschule verwandelt werden. Das ist zum einen die Vorgabe des Erziehungsministeriums für alle äthiopischen Schulen, vor allem jedoch bieten wir damit den Kindern und Jugendlichen eine große Chance. Die Unterrichtszeit kann erweitert werden, außerdem können die Schülerinnen und Schüler dann einen größeren Teil ihrer Freizeit hier auf dem Gelände verbringen. Die meisten haben in ihren Hütten nicht einmal einen Tisch, um ihre Hausaufgaben zu machen, oft auch kein Licht in den dunklen Verschlägen.

Unsere Pläne für die Schulerweiterung liegen nun bei der Stadtverwaltung. Die muss ein neues Gelände für unsere Nachbarn finden, eine Hilfsorganisation für Blinde. Da auch die sich vergrößern möchte (und seit einiger Zeit mit einer elektrischen Kreissäge unseren Schulunterricht empfindlich stört), hoffen wir auf eine gute Lösung. Doch ist es nicht leicht, dass sie in der wachsenden Stadt ein solches Gelände zugewiesen bekommen.

Addis verändert sich fast täglich, Hochhäuser schießen wie Pilze aus dem Boden, und die Straßen werden erweitert. Viele Hütten werden abgerissen, die Menschen müssen weichen und werden an den Stadtrand gedrängt.
Andererseits wächst die Zahl der Straßenkinder in der Innenstadt; gerade in den letzten Wochen sind es wieder mehr geworden.

Dürrekatastrophe - 6.000.000 Kinder betroffen

Das Ausbleiben der kleinen Regenzeit hat zu verheerender Dürre geführtDas Ausbleiben der so genannten Belg-Zeit, der kleinen Regenzeit, hat zu verheerender Dürre geführt, besonders im Süden Äthiopiens. Mit der Dürre ziehen jetzt Hunger und Seuchen übers Land, dazu kommen die drastisch gestiegenen Lebensmittelpreise. Vor zwei Wochen veröffentlichte die UNO einen alarmierenden Bericht, wonach 6 Mio Kinder allein in Äthiopien betroffen sind. Erstmals wird die sich anbahnende Katastrophe auch in äthiopischen Zeitungen erwähnt.

So wissen wir manchmal nicht, ob wir Sachspenden hier behalten oder gleich in Gebiete noch viel größerer Not weiterleiten sollen. Hier auf dem Schul- und Kirchengelände geht es uns ja noch gut: Zwar dröhnt uns der Dieselgenerator inzwischen fast jeden zweiten Tag 14 Stunden lang die Ohren voll. Immer dann, wenn der Strom im Stadtteil abgeschaltet wird. Doch wir sind von früh bis spät auf Elektrizität angewiesen, damit die Arbeit im Office laufen kann und die Abendschüler nicht im Dunkeln sitzen. Immerhin haben wir auf diese Weise zurzeit noch Energie und auch Wasser im Tank, während die meisten Menschen um uns herum oft tagelang ohne beides auskommen müssen.

Ein Lichtblick - trotz allem!

Frühstückspause an der GCSLehrerfortbildung mit deutschen KollegenÄthiopien und seine Geldgeber haben in den letzten Jahren viel Mühe darauf verwandt, die Kindersterblichkeit zu reduzieren und die Ernährungslage zu stabilisieren. Aber bei einem jährlichen Bevölkerungswachstum von zwei Mio Menschen ist das ein fast aussichtsloses Unterfangen.
Angesichts solcher Dimensionen ist unser Schulprojekt hier sehr klein. Und doch ist es ein Lichtblick. Denn es hilft vielen Familien hier in der Umgebung, mit dem Nötigsten fertig zu werden, vor allem bekommen die Kinder eine Chance, ihre Zukunft zu verbessern. So danken wir Ihnen für alle Mithilfe und nachhaltige Unterstützung! Bitte teilen Sie uns mit, wenn sich Ihre Adresse ändert. Neue Spender und Spendergruppen bitten wir bei Überweisungen ebenfalls um Mitteilung der vollständigen Adresse. Das erleichtert uns hier in der Verwaltung sehr die Arbeit.

Lassen Sie sich recht herzlich grüßen und den Frieden Gottes wünschen

Ihre

Ato Teklu Tafesse, Direktor und Martin Gossens, Pastor

  

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