Die German Church School
Rundbrief vom Dezember 2007
 
Liebe Freunde der German Church School,

Es war schwer, auch nur eine Mahlzeit am Tag zu bekommen...

Natnael mit seiner GroßmutterNatnael ist acht Jahre alt und besucht die 3. Klasse. Sein Vater starb 20 Tage nach Natnaels Geburt. Als der Junge drei Monate alt war, ließ ihn seine Mutter bei der Großmutter und verschwand. Sie konnte ihr Kind nicht versorgen. Die Mutter starb, ohne eine Änderung in ihrem eigenen, noch in dem Leben ihres Kindes zu erleben. So wuchs Natnael bei der Großmutter auf, die noch eine weitere Tochter und vier Söhne hatte. Keines der Kinder konnte bis dahin selbstständig für sich sorgen. Für ihren Lebensunterhalt musste Natnaels Großmutter Blätter und Eukalyptuszweige auf dem Entoto-Gebirge sammeln. Das Leben war für die Familie hart. Natnaels Großmutter sah sich vielen Problemen ausgesetzt. Sie musste täglich drei Stunden laufen um trockene Blätter aufzusammeln. Um fünf Uhr früh ging sie los. Da war nicht nur der weite Weg, auch die lauernden Hyänen waren eine ständige Gefahr. Sie griffen sie nicht an, aber sie fühlte sich doch ständig bedroht.

Besonders hart war der Alltag in der Regenzeit. Manchmal musste sie stundenlange Regenschauer aushalten ohne irgendwo Schutz zu finden. Oft wurde sie krank. Nach dem Aufsammeln der Blätter und Zweige musste sie dem Waldhüter 50 Cent zahlen, um den Wald verlassen zu dürfen. Mittags um ein Uhr erreichte sie müde und erschöpft den Marktplatz. Für ihre schwere Ladung erhielt sie gerade einmal 4 bis 5 Birr. Zu wenig Geld, um der Familie auch nur eine Mahlzeit zu besorgen. So steht sie für das Schicksal vieler Frauen hier in der Umgebung.

Schließlich gelang es der Großmutter, Natnael in der German Church School unterzubringen, er wurde in die erste Klasse aufgenommen. Seine Großmutter betrachtet diesen Moment als Natnaels "neue Geburt". Nun bekam Natnael regelmäßiges Essen: Brot, Obst, Milch und ein Taschengeld für die Familie. Er kommt mit einer Schuluniform und mit Schuhen nach Hause, die er von der Schule bekommen hat. Natnael hat die Not seiner Familie sehr bewusst wahrgenommen und sein Brot aus der Schule nach Hause gebracht, um es mit seiner Großmutter zu teilen. Schließlich haben unsere Sozialarbeiter einen Hausbesuch gemacht und der Großmutter Starthilfe für einen kleinen Verkaufsstand gegeben. Sie hat das Angebot genutzt und verkauft jetzt Brot und Injera, das Nationalgericht der Äthiopier. Inzwischen kann die Familie sich mit dem erwirtschafteten Geld selbst ernähren und sogar etwas Erspartes beiseite legen.In den Worten der Großmutter ist es eine "neue Geburt" für die ganze Familie. Neulich sagte sie: "Ich kann gar nicht mit Worten ausdrücken, wie glücklich ich bin. Vor allem darüber, wie fröhlich Natnael sich entwickelt und verändert hat."

GCS-eine große Chance für die ganz Armen

Bis zu 50 kg schleppen die Frauen!Wir möchten Ihnen an dieser Stelle für Ihre Unterstützung danken. Für die Kinder und Jugendlichen an der German Church School bedeutet der Besuch unserer Kirchenschule eine ganz besondere Chance. Als Freunde der GCS unterstützen Sie eine Arbeit, die nachhaltig in das Leben vieler sehr mittelloser Familien und in die ganze Umgebung hineinwirkt. In der Bekämpfung von HIV/Aids suchen wir uns zunehmend die Zusammenarbeit mit anderen lokalen Organisationen.

Neue Paten gesucht

Immer wieder haben wir bei Besuchen aus Deutschland die Gelegenheit, neue Paten für unsere Kinder zu finden. Auch Sie können uns dabei behilflich sein, indem Sie andere Menschen auf unser Sozialprojekt aufmerksam machen. Zur Zeit suchen wir noch Paten für die 80 neuen Erstklässler sowie für einige der Zweitklässler.

Auch Projektpatenschaften sind uns eine große Hilfe, ebenso zweckgebundene und freie Einzelspenden.
Die deutschsprachige Auslandsgemeinde in Addis Abeba ist eine kleine Gemeinde mit einem großen Projekt. Dank Ihrer Hilfe und der Unterstützung unserer drei Geberorganisationen Kindernothilfe, Interpedia und Christoffel-Blindenmission blicken wir sehr zuversichtlich nach vorne.

Äthiopisches Millenium

Stolz präsentiert Elias sein selbstgesticktes Milleniums-EmblemIm September begann nach äthiopischer Zeitrechnung das neue Millenium, und jeden Tag werden überall im Land neue Feierlichkeiten begangen. Es ist sowohl das äthiopische als auch das afrikanische Millenium.
Es ist im Herzen aller Äthiopier präsent, der Jungen und der Alten, der Reichen und der Armen. Am Anfang gab es berechtigte Befürchtungen vor Unruhen, dann jedoch verlief der Wechsel ins neue Jahrtausend sehr friedlich.

Alle feierten beim School Milleniums Day mit Mit unserer German Church School feierten wir am 20. November 2007 einen School Millenium Day, fünf Monate zuvor hatten wir unser 35-jähriges Jubiläum begangen.Der School Millenium Day bot die Gelegenheit unsere Schule ganz unterschiedlichen Menschen und Institutionen nahe zu bringen.
Eingeladen waren die lokalen Vertreter unserer Partnerorganisationen, der Kindernothilfe, Interpedia und der Christoffel-Blindenmission, aber auch offizielle Vertreter der Stadt Addis Abeba und des Erziehungsministeriums.
Der Tag war ein Ausdruck der gegenseitigen Verbundenheit und des gemeinsamen Engagements für die Kinder dieser Stadt sein. Er hat aber auch deutlich gemacht, dass wir räumlich sehr beengt sind.

Die allen äthiopischen Schulen vorgeschriebene Umwandlung vom Schichtunterricht hin zur Ganztagsschule können wir auf dem uns bislang zur Verfügung stehenden Gelände nicht verwirklichen, und so haben wir einen offiziellen Antrag auf Erweiterung gestellt.

Auch unsere Schüler haben große Erwartungen , dass es im neuen Jahrtausend aufwärts gehen möge.Nun lassen Sie sich ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Übergang zum Jahr 2008 wünschen. Die neue Jahreslosung bringt zum Ausdruck, dass unser Gott ein Freund des Lebens ist:

"Ich lebe, und ihr sollt auch leben." (Joh.14,19)

Wir grüßen Sie mit dieser Zusage, die allen Menschen gilt. Mit der Bitte um Frieden zwischen Äthiopien und seinen Nachbarn und mit allen guten Wünschen für Sie und Ihre Familien verbleiben wir ganz herzlich

Ihre

Ato Teklu Tafesse, Direktor und Martin Gossens, Pastor

P.S. Bitte teilen Sie uns mit, falls sich Ihre Adresse ändert. So können Sie uns helfen, dass wir Spendenbescheinigungen etc. pünktlich zustellen können. Dankeschön!

  

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