Voller Eindrücke von einem fröhlich-bunten Juni-Wochenende grüßen wir Sie herzlich aus Addis:
Die German Church School hat soeben ihr 35-jähriges Bestehen gefeiert! Trotz bereits hereingebrochener Regenzeit lachte an diesen zwei Tagen die Sonne, und wir konnten sie auch gut brauchen. Zum Auftakt wurde am Freitag unser erster Pfadfinderjahrgang feierlich graduiert, und gleich im Anschluss gab es ein weiteres Novum: die Karate-AG zeigte ihr Können.
Voller Stolz demonstrierten auch unsere blinden Schüler, dass sie Sperrholz spalten und Steinplatten zertrümmern können. Sie haben dabei sehr viel Selbstvertrauen gewonnen.
35 Jahre GCS – ein Grund zum Feiern
Eine Premiere war wohl auch der Simultan-Wettlauf mit einer Schule in Deutschland. Die Grund- und Hauptschule Unterlüß hatte die schöne Idee, gleichzeitig mit der GCS einen 400 und 1000-Meter-Lauf zu veranstalten – unser Schultag mit Jubiläumsfeier bot sich dazu hervorragend an.
Es gab Sieger auf beiden Seiten. Noch besser wäre es natürlich gewesen, die SchülerInnen aus Deutschland hätten mal eben vorbeikommen und sich auch die Ausstellung aus dem Kunst- und Sozialkunde-Unterricht anschauen können. Auf großen Moderationswänden hatten die Jugendlichen das HIV/AIDS-Problem, den Umgang mit Konflikten, aber auch Themen wie Hygiene und Wasserverbrauch anschaulich dargestellt. Unser junger Kunstlehrer Anteneh hat die Schüler überdies zu vielen kleinen Kunstwerken inspiriert.
Selbstvertrauen – auch durch Karate
Für den heimlichen Höhepunkt unserer Jubiläumsfeier sorgte die kleine Addis. Im September haben wir erstmals ein Mädchen mit einer ziemlich starken körperlichen Behinderung aufgenommen.Mit zwei Gehhilfen schleppt Addis sich jeden Tag recht mühsam in die Schule. Sie war anfangs sehr ängstlich und ist auch geistig leicht zurückgeblieben. Unser Karatelehrer Nebiyu hat sie dennoch ganz selbstverständlich in seinen Kurs aufgenommen. Nun holte er sie mitten in der Festvorstellung am Samstag in die Mitte, stolz trug sie ihren knallgelben Karateanzug.
Sie lief nur an einer Krücke – und auch die warf sie zur Seite. Dann machte sie langsam eine halbe Runde, setzte sich selbständig hin und stand ohne Hilfe wieder auf. Alle an der GCS kennen die kleine Addis, und entsprechend erstaunt waren ihre Mitschüler. Sie spendeten tosenden Beifall. Man spürte, wie sie sich mitfreuten. Addis lief dann die letzten Meter auf
Nebiyu zu, der sie in die Arme schloss. Was war geschehen? Da hatte einer der kleinen Addis etwas zugetraut. Er hatte aus ihr herausgelockt, was in ihr steckt. Addis heißt zu deutsch übrigens "neu" – durch Aufmerksamkeit und Hilfe eines anderen ist die Situation des Mädchens wirklich neu geworden.
Lehrerfortbildung – mit internationaler Unterstützung
Addis ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Lernen hier an der GCS geschieht. Jugendliche aus sehr ärmlichen und oft geradezu verzeifelten Verhältnissen lernen, sich etwas zuzutrauen und Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen.
Dabei ist es wichtig, dass auch die Lehrenden weiter Lernende bleiben. Erstmals kamen eine Lehrerin und ein Lehrer aus Sandhausen bei Heidelberg speziell zur Lehrerfortbildung zu uns, ebenso ein Integrationsexperte aus den Niederlanden und – ebenfalls von dort - im Rahmen des
Projekts "Towards the Millenium" mehrere Sportstudierende mit vielen guten Impulsen. Eine holländische Studentin sagte vor ein paar Tagen zum Abschied:
"Diese Schule hat etwas Besonderes. Und man merkt, dass es eine christliche Schule ist. Den Lehrerinnen und Lehrer ist es wichtig, Gottes Liebe weiterzugeben, und die Schüler spüren das."
Schön, wenn Leute, die von außen kommen, das so erleben.
Unser Anliegen: die neue Turnhalle und mehr Platz für alle
Ein Anliegen bleibt die Fertigstellung unserer Turnhalle, die wir in Zusammenarbeit mit der Youth and Sports Commission of Addis Ababa bauen. Wir hoffen, sie nach Einbau des Holzfußbodens im November endlich einweihen zu können. Ebenso wünschen wir uns, bald grünes Licht für eine Erweiterung unseres Schulgeländes zu bekommen. Nicht um noch mehr Schüler aufzunehmen, sondern um den vielen, die unsere Schule besuchen, mehr Bewegungsfreiheit zu bieten. Unser Schulhof ist viel zu klein, und überhaupt platzen wir räumlich aus allen Nähten. Die Räumlichkeiten werden für drei Schichten beansprucht, es gibt kaum Ausweichmöglichkeiten
für besondere Aktivitäten wie den Anti-HIV/Aids-Club oder schulische AGs.
Ein Wunsch für Äthiopien: Friedlich ins neue Millenium
Die äußere Ruhe hier im Land ist weiterhin oberflächlich, hinzu kommen Drohungen von außen wegen des Einmarschs äthiopischer Truppen in Somalia. Wir bitten Sie um Ihre Fürbitte um inneren und äußeren Frieden.
Am 11. September beginnt nach äthiopischer Zeitrechnung das neue Jahrtausend. Es ist zu wünschen, dass die Milleniumsfeierlichkeiten um dieses Datum herum friedlich verlaufen und das Land von Terroranschlägen verschont bleibt.
Ein Dank an Sie alle
Wir sind dankbar für unsere Partnerorganisationen, in Deutschland sind es die Kindernothilfe und die Christoffel-Blindenmission, in Finnland Interpedia. Aber auch Ihnen, den vielen Einzelspendern, sagen wir ganz herzlich Danke: das erfreuliche Spendenaufkommen macht uns Mut, nach vorne zu schauen und die vor uns liegenden Aufgaben entschlossen anzugehen. Es bewegt
uns, dass auch Schulen und Kinde Kindergärten, Gemeinde- und Kindergottesdienstgruppen sowie viele andere Initiativen dazu beitragen, dass die äthiopischen Kinder sich hier an der GCS so wohl fühlen.
Bitte teilen Sie uns mit, falls sich Ihre Adresse ändert. Auch in diesem Jahr kamen etliche Spendenbescheinigungen zurück und konnten erst verspätet an die richtige Adresse verschickt werden. Danke!
Seien Sie herzlich gegrüßt und lassen Sie sich alles Gute, Gesundheit und Gottes reichen Segen wünschen!
Ihre
Ato Teklu Tafesse, Direktor und Martin Gossens, Pastor