Die German Church School
Rundbrief vom Juli 2006
 
Liebe Freunde der German Church School,
KinderIn dieser Woche werden zum Schuljahresende die Zeugnisse verteilt – ein wichtiger Tag für unsere Schülerinnen und Schüler.

Und damit ist es auch Zeit, unseren Sommerrundbrief abzusenden. So möchten wir Sie alle zunächst ganz herzlich grüßen und Ihnen für alle Unterstützung danken.

Seit Anfang März hat das neue Pfarrerehepaar Martin und Sabine Gossens in der Nachfolge von Pfarrer HansJoachim und Gerlind Krause seine Arbeit aufgenommen. Sie möchten sich kurz vorstellen und von ihren ersten Eindrücken berichten:

Mit unseren drei Kindern Johannes (17), Lena (14) und Christoph (13) sind wir nun bereits seit gut vier Monaten in Addis und haben uns bereits ein wenig eingelebt. Vorher haben wir über 19 Jahre in Lüdenscheid im Sauerland gelebt.
Sabine (45) hat Anglistik, Pädagogik und Theologie fürs Lehramt studiert, Martin (49) ist westfälischer Pfarrer.
Unsere Kinder besuchen hier die Deutsche Botschaftsschule. Besonders unsere Tochter hat schon engen Kontakt und Freundschaft mit den Jugendlichen hier an der GCS geknüpft.

Die Lage unseres Pfarrhauses zwischen Kreuzkirche und German Church School beschreibt sehr gut unser Aufgabenfeld: Da ist die deutschsprachige Gemeinde mit vielen verschiedenen Menschen, besonders auch jungen Familien, und da ist die Schule und die Zusammenarbeit mit der Schulleitung und den äthiopischen Lehrerinnen und Lehrern und den beiden Sozialarbeitern.

Nicht zu vergessen alle die freundlichen Menschen, die auf dem gesamten Compound in den verschiedenen Aufgabenbereichen mitarbeiten. Eine schöne und vielseitige Aufgabe und Herausforderung!

Die CrewMartin: Zu meinen ersten Erlebnissen hier an meiner neuen Arbeitsstelle gehörte eine Zweitagestour mit den blinden Schülerinnen und Schülern unserer German Church School nach Shashemene. Gleich mehrere Dinge haben mich dabei beeindruckt. Wir haben eine katholische Schule für blinde Kinder besucht und zugeschaut, wie sie dort ihren Sportunterricht gestalten.
Wussten Sie, dass unsere blinden Schüler sogar Fußball spielen? Weiter konnte ich beobachten, wie kameradschaftlich die sehenden Partner unsere blinden und eingeschränkt sehenden Jugendlichen begleitet und mit ihnen jeweils ein gutes Team gebildet haben. Oftmals sind beide seit dem ersten Schuljahr beisammen, Zeichen für einen echt integrativen Ansatz mit vielen Möglichkeiten zu gemeinsamem sozialen Lernen.

Schließlich haben wir am Langano eine Badepause mit lustigen Schwimm-Lernversuchen eingelegt, und auf dem Heimweg gab es am Wegesrand noch ein Programm mit Spielen, Sketchen und fröhlichen Liedern.
Desta, ein blindes Mädchen, trug ein selbst geschriebens Gedicht vor, und Kidist, 16 Jahre, hielt ihren Mitschülern selbstbewusst mit der Bibel in der Hand eine eindrückliche Andacht: Über Josef, der als junger Mensch auch Fremde seinem Gott die Treue hielt.

Was mich am meisten berührt hat, war die Freude und Intensität, mit der die Jugendlichen an den zwei Tagen dabei waren. Für manche war der Kurztripp in den Süden die erste längere Tour überhaupt. Einige hatten noch nie zuvor im einem kippeligen Boot gesessen (wie auf dem Zewaysee geschehen) oder gar in einem offenen Gewässer gebadet, andere noch nie in einem richtigen Hotel übernachtet. Nichts war selbstverständlich, alles atmete ursprüngliche Entdeckerfreude.

Am Ende war ich der Beschenkte, hatte ich doch wieder eine Lektion „Leben“ gelernt: Mich selber auch neu an dem zu freuen, was einfach da ist, und an dem, was neu auf mich zukommt.

Wie in den vergangenen Schuljahren gab es unterschiedliche Ausflüge für die Schulklassen. Das ist für die Jungen und Mädchen eine ganz wichtige Dimension des Lernens, haben sie doch sonst kaum die Möglichkeit, ihre Umgebung einmal zu verlassen. Höhepunkte für alle waren ein Sportfest auf dem benachbarten JanMedaFeld gemeinsam mit einer Schule für Taubstumme sowie unser Schultag im Mai, an dem es neben vielen anderen Aktivitäten auch eine Ausstellung mit Kunstwerken unserer Schüler gab.

Wichtig ist die Einbeziehung aktueller Probleme in den Schulalltag. Zu verschiedenen Anlässen wurden auf dem Schulhof ein kleines Theaterstück sowie ein Puppenspiel mit lebensgroßen Figuren aufgeführt. Thematisiert wurde unter anderem die Beschneidung von Mädchen sowie der Umgang mit Menschen mit Behinderungen.

In diesem Schuljahr ist die Zahl der Aidswaisen an unserer Schule auf über 70 angestiegen, was uns zu vermehrten Anstrengungen in diesem Bereich antreibt.

Einige ehemalige SchülerInnen unserer Schule hatten eine mehrtägige Begegnung mit einer deutschen Schülergruppe aus Sandhausen bei Heidelberg, eine bereichernde Erfahrung für beide Seiten. Unter anderem haben sie sich in Rollenspielen mit Themen der Konfliktbewältigung befasst und sich auch über die politische Situation in beiden Ländern ausgetauscht.

Hier in Äthiopien ist die Lage nach außen hin relativ ruhig, unter der Oberfläche jedoch hat sich nach den Unruhen im Mai und der großen Verhaftungswelle im vergangenen November sehr viel Unmut angestaut, besonders an den öffentlichen Schulen und bei den Studierenden. Unsere Lehrer berichten, dass sich gerade die älteren externen Schüler, die inzwischen nach Abschluss der 8. Klasse andere Schulen besuchen, jedoch noch am Samstagsprogramm unserer Schule teilnehmen, nur schwer auf das Lernen konzentrieren konnten.

Bitte beten Sie weiter für dieses Land und seine Menschen um Frieden und Gerechtigkeit. Bei all dem und den oft schwierigen familiären Situationen ist es wichtig, dass die Jungen und Mädchen hier an unserer Schule Geborgenheit erfahren und in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt werden. Unsere LehrerInnen und SozialarbeiterInnen tun ihr Bestes, um die Kinder und Jugendlichen in ihrem Alltag zu begleiten und zu fördern. Allen ist sehr bewusst, dass dies ohne Ihre treue Hilfe und regelmäßige Unterstützung nicht möglich wäre. So möchten wir Ihnen noch einmal von Herzen danken.

Wir wünschen Ihnen persönlich alles Gute und Gottes Segen

Ihre

Ato Teklu Tafesse, Direktor und
Martin Gossens, Pastor

  

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