Die German Church School
Rundbrief vom Dezember 2005
 
Liebe Freunde der German Church School,
noch nie ist uns die Gute Nachricht von Weihnachten so bewußt geworden wie in diesem Jahr:

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Die Menschen in Äthiopien haben in den letzten 6 Monaten ein Wechselbad der Gefühle erleben müssen. Vom frühlingshaften, hoffnungsvollen demokratischen Aufbruch im Mai 2005 bis hin zu großen Schwierigkeiten im November. Bitte beten Sie für Äthiopien.

Es ist wie ein Wunder, dass unsere 1.180 SchülerInnen bewahrt sind. Inzwischen können wir sogar feststellen, dass die Freude wenigstens an unsere Schule zurückgekehrt ist. Wie schön ist es, wieder fröhliche SchülerInnen zu sehen, die gerne lernen und studieren. Seit 35 Jahren haben Hunderte von Schülern als Absolventen der GCS einen sehr positiven Einfluß auf ihre Familien und die Gesellschaft.

Graduanten 2005Im letzten Schuljahr haben sieben Studenten von Universitäten und höheren Institutionen ihre Ausbildung abgeschlossen. Diese Gruppe setzt sich zusammen aus einem Chemie-(Kunstfaser)-Ingenieur, Labortechniker, Soziologen, Biologen und vier Lehrern. Alle außer einem haben einen gesicherten Beruf bekommen. Biniam ist einer von ihnen und er graduierte als Chemie-Ingenieur an der Universität in Addis Ababa.

Wir hatten die Möglichkeit, an seiner Freude mit der Familie und Freunden Anteil zu nehmen. Biniam hatte eine ganz andere Sicht über seinen Abschluß als viele andere.
"Ich möchte kein Geld ausgeben für eine teure Abschlußfeier, sonst hätte meine Mutter kein Schulgeld mehr für die Ausbildung meines jüngeren Bruders. Ich bin sehr dankbar, dass ich abgeschlossen habe."

Als wir das hörten, entschieden wir uns, für ihn und einige andere bei uns eine Feier zu gestalten. Mit seiner Mutter, seinem Bruder und vielen anderen Freunden haben wir uns alle sehr gefreut.

Einige Wochen später bekam er die Chance, den Beruf des Lektors an der Universität in Bahir Dar am Tana-See (blaue Nilquelle) anzunehmen. Nun kann er seine arme Mutter und seinen wißbegierigen Bruder unterstützen. Seine Freude war groß. Die Unsicherheit, wie sein jüngerer Bruder eine tägliche Mahlzeit und Schulbücher und Hefte bekommt, ist vorbei. Wie war doch noch sein Wunsch? Für seine Mutter und seinen Bruder Sorge zu tragen. Jetzt ist er sehr dankbar und stolz.

In seinem Brief an seine Pateneltern schreibt er am 5. Sept. 2005:
"Ich erinnere mich sehr genau wie schwierig mein Leben begann, als ich zur German Church School kam. Es war noch dunkel in mir und um mich herum, aber ich habe nicht den Traum verloren, daran zu glauben, dass einmal mehr Licht in mein Leben kommen wird. Aber nun hat sich dieser Traum erfüllt. Ich habe tatsächlich den Kampf gegen die schlimme Armut gewonnen. Aber ich bin noch nicht am Ende. Jeden Tag muß ich eine neue Herausforderung bewältigen. Dazu fühle ich mich jetzt durch die ganze Ausbildung in der German Church School befähigt. Allein meinen Pateneltern habe ich das zu verdanken."

TatekWir möchten Ihnen noch einen anderen Schüler vorstellen, einen stark Sehbehinderten, der seit 15 Jahren bei uns ist. Tatek ist einer der ersten in unserem integrierten Blindenprogram. Ganz am Anfang hat er mit einigen anderen Blinden gebettelt. Die drei haben auf der Straße zusammen gehalten. Von dem erbettelten Geld haben sie sich einen kleinen Raum als Schlafstätte gemietet.

Glücklicherweise haben diese drei Gelegenheit bekommen, unsere Schule zu besuchen. Daraufhin haben wir ihnen eine kleine Wohnung gemietet. Sie mußten ihr Betteln loslassen. Manchmal ist das für ein Straßenkind gar nicht so einfach, diese gewohnten Verhaltensweisen aufzugeben. Tatek, der immer ein außergewöhnlicher Schüler war, und dann die Uni in Addis Ababa erfolgreich besucht hat, schreibt:
"Es wie ein Traum, der sich für mich erfüllt hat, wenn ich an die schwierigen Anfänge zurückdenke. Ich bin ein Beispiel für Ausdauer und habe aus den Anforderungen des Lebens sehr viel gelernt. Und ich habe etwas erreicht, was viele bevorzugten Studenten aus reicheren Familien nicht geschafft haben."

Wir sind allen Pateneltern und Freunden der GCS sehr dankbar. Ohne Ihre Hilfe würden diese kleinen Wunder und guten Erfolge nicht möglich sein. Nicht alle Patenkinder erreichen so großartige Abschlüsse, aber wir beobachten, dass sie ihr Leben dementsprechend bewältigen. Hilfe zur Selbsthilfe ist für uns alltägliche Erfahrung. Das Leben aller unserer sehr armen SchülerInnen hat sich in vielen Lebensituationen sehr verändert.

Als Pastor der Deutschsprachigen Kirche in Addis Ababa und Geschäftsführer der German Church School muß ich mich nun von Ihnen verabschieden.
Am 31.1.06 werden meine Frau und ich nach 6 Jahren nach Deutschland zurückkehren. Unsere Zeit - unser Vertrag - ist erfüllt. Wir sind sehr bereichert für diese einmaligen Erfahrungen. Wir gehen erst mal in unsere Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (Kassel-Marburg-Fulda-Hanau) zurück. Unsere nun schon seit über einem Jahr tätige Gemeindemitarbeiterin Désirée Hess und Direktor Ato Teklu stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Ich freue mich, Ihnen meinen Nachfolger ankündigen zu können. Pfarrer Martin Gossens aus Lüdenscheid wird mit seiner Frau Sabine und drei Kindern Ende Februar 2006 in Addis Ababa ankommen. Im nächsten Brief wird er sich dann näher vorstellen. Ich begrüße ihn hiermit schon aufs herzlichste.

Bitte beachten Sie auch unsere neuen E-Mail-Adressen, die aktualisierte Homepage und die neuen Tel.- und Fax-Nummern. Falls Sie umziehen werden, teilen Sie uns doch bitte Ihre neue Adresse mit, damit wir im Kontakt bleiben können.

Ihnen wünschen wir den weihnachtlichen Frieden, Gesundheit und Segen in 2006.

In großer Dankbarkeit grüßen Sie von ganzem Herzen Ihre

Ihre

Ato Teklu Tafesse, Direktor und
Hans-Joachim Krause, Pastor

 
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