Die "German Church School"
von Mai bis November 1996

Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben... und er heißt Wunder - Rat, Gott - Held, Ewig - Vater, Friede - Fürst:
                                                  Jesaja 9,6

Liebe Freunde,
fröhliche Weihnachten Ihnen allen aus Äthiopien!

Wir möchten Ihnen unsere herzlichsten Weihnachtsgrüße senden und Ihnen gleichzeitig einen Überblick darüber geben, was in den vergangenen sechs Monaten bei uns passiert ist.
Wie Sie alle wissen, war die Mitte dieses Jahres geprägt von Wechseln in unseren Lehrerkollegium und dem Wechsel des Direktors.
Jetzt hat sich alles eingespielt, und es herrscht eine frische, kameradschaftliche und gute Arbeitsatmosphäre.
Gerade noch vor Ende des äthiopischen Schuljahres im Juli konnten wir Teff, Öl und Kleidung an unsere Schüler und ihre Familien verteilen.
Zusätzlich erhielten 191 Schüler, die nicht durch eine Patenschaft unterstützt werden je 70 Birr. Das war dazu gedacht, ihnen eine Hilfe zu geben, mit der sie die lange Zeit von zwei Monaten Ferien überstehen würden.

Das neue Schuljahr 1996/97:

Das neue Schuljahr der German Church School begann mit 983 Schülern. Davon gehen 424 in die Grundschule, 255 sind in das Saturday Student's Program eingebunden, 284 kommen in die Abendklassen, und 20 Studenten befinden sich derzeit in der Berufsausbildung. Außerdem unterrichten wir 23 blinde Kinder.

Insgesamt werden 462 Kinder durch Patenschaften gefördert. Das bedeutet, daß der größere Teil unserer Schüler ohne regelmäßige finanzielle Hilfe ist und wir sie daher in der einen oder anderen Form unterstützen müssen.

Liebe Freunde,
wir wagen zu sagen, es ist nicht Glück oder bloßer Zufall, daß wir hier in German Church School sind und Sie fast am anderen Ende der Welt.
Können Sie sich vorstellen, wie beeindruckend es für uns zu beobachten ist, wie sich das Leben unserer Kinder positiv verändert, die unter normalen Umständen keinerlei Chance hatten und auf immer zu den Vergessenen gehören würden?!

Hier ein solches Schicksal:
Es ist ein Schüler aus der Gruppe, die in diesem Sommer die 12. Klasse erfolgreich abgeschlossen hat. Er ist an beiden Beinen gelähmt und muß Krücken benutzen, um sich fortzubewegen, so natürlich auch auf dem Schulweg. Als kleiner Junge kam er zu uns in die German Church School. Dieser Junge hat keinen Vater, er weiß nicht einmal, wer sein Vater ist.

Jetzt hat er das Abitur mit sehr guten Ergebnissen abgelegt, so daß er demnächst an der Universität hier in Addis Abeba studieren wird.
Dieser junge Mann ist nur eins der Beispiele dafür, wie erfolgreich Ihre Untersützung für diese Kinder ist. Ohne Hilfe wäre er unausweichlich eins der Bettlerkinder in den Straßen von Addis Abeba geworden. Auch unsere blinden Kinder würden ohne die Aufnahme in die German Church School früher oder später Bettler.
Wir könnten die Reihe der Beispiele mit ähnlichen oder noch schlimmeren Lebensumständen fortsetzen, z.B. wie weh es tut, häufig mit ansehen zu müssen, wie gewissenlose Leute die Blindheit der Kinder ausnutzen, um durch deren Betteln ihr "Einkommen" aufzubessern.

Aber unsere 23 blinden Schüler, die wir ausbilden und unterstützen, werden einmal nicht zu diesen Bettlern gehören. Wir werden sie befähigen, sich selbst zu helfen und ihren Platz im Leben zu finden.

Ihre Hilfe bedeutet für sie alles!

Berufsausbildungsprogramme - ein Fortschritt für die German Church School:

Wir haben schon erwähnt, daß 20 Studenten in das Berufsausbildungsprogramm eingebunden sind. Der Lehrplan für alle Fächer in der Sekretärinnenausbildung ist erarbeitet und bereits wirksam. Außerdem wurden die Klassenräume dafür mit entsprechenden Möbeln sowie den motwendigen technischen Geräten ausgestattet.
Für die Ausbildung konnten wir vier gute Lehrer gewinnen, zwei von der Addis Ababa University und zwei vom Ababa College of Commerce.

Das neue Schulgebäude:
Nachdem die Schule über all die Jahre mit einer völlig unzureichenden Anzahl von Räumen arbeiten mußte- fünf Klassenräume und ein paar Nebenräume für fast 1000 Schüler, dreifache Tagesausnutzung-, entschlossenwir uns zu Beginn des Jahres, ein völlig neues Gebäude zu bauen.
abcWir sind nun gerade dabei, verschiedene Angbote von Baufirmen für die Bauarbeiten auszuwerten und hoffen, in der nächsten Woche die Firma ausgewählt zu haben, die dann den Bau der Schule ausführen wird. Die Finanzierung dieses Neubaus ist für uns nicht einfach. Wir selbst haben seit mehreren Jahren für diesen Zweck in unserer Gemeinde gesammelt. Die Kindernothilfe in Deutschland wurde auch um Mithilfe bei der Finanzierung gebeten. Und nun bitten wir auch Sie, unsere Freunde, Paten und Unterstützer wiederum um Ihre Mithilfe, damit wir den Bau innerhalb eines Jahres fertigstellen können.
Als ersten Schritt zur Vorbereitung des Baus haben wir vor drei Monaten ein Grundstück in der Nähe der Schule angemietet, um hier provisorisch den Unterricht während der Bauphase durchführen zu können. Als Iterimslösung haben wir eine Lagerhalle umgebaut und Klassenräume eingerichtet. Das hat uns weitaus höhere Kosten verursacht, als ursprünglich vorgesehen, war aber die einzige Möglichkeit, die Schule zeitweise auszulagern, denn der Neubau ist auf dem Gelände der jetzigen Schule vorgesehen.

Schülerkleidung:
In diesem Jahr haben die Grundschüler der Klassen 1-6 sehr hübsche dunkeltürkisfarbene Kleidung erhalten. Jacke und Hose für die Jungen, Jacke und Rock für die Mädchen. Schüler und Eltern sind begeistert, zumal die Kleidung auch sehr leicht zu pflegen ist. Die Kinder, von denen die miesten keine ordentliche Kleidung besitzen, sind sehr stolz auf ihre neue Schuluniform.
Wie auch im vergangenen Jahr zu Weihnachten haben wir für unserer Schüler wieder Schuhe bestellt, die sie als Weihnachtsgeschenk erhalten.

Lehrerweiterbildung:
Ständige Weiterbildung ist für die relativ schlecht ausgebildeten äthiopischen Lehrer sehr wichtig. Deshalb haben wir im August ein viertägiges intensives Weiterbildungsseminar aaußerhalb von Addis organisiert. Es ging um viele praktische Fragen des Unterrichtens in den verschiedenen Schulfächern. Wir sind überzeugt, daß die Lehrer davon profitiert haben.

Was ist noch zu tun in der nächsten Zeit?

Zu Beginn des neuen Schuljahres hat die äthiopische Regierung ihrer Bildungspolitik geändert. Die Grundschule z.B. soll jetzt die Klassen 1-8 umfassen. Für uns bedeutet das, daß wir ebenfalls die Klassen 7 und 8 in das Grundschulprogramm aufnehmen müssen. Deshalb haben wir auch zwei zusätzliche Klassenräume im neuen Schulgebäude vorgesehen.
Wir freuen uns, im neuen Gebäude auch eine Bibliothek zu haben mit entsprechend mehr Büchern, die von den Kindern besser genutzt werden kann als bisher.
Außerdem freuen wir uns auf die neien Klinikräume im neuen Gebäude mit besserer Einrichtung und mehr Platz, um die kleinen Patienten auch in Zukunft gut medizinisch versorgen zu können.

Für Anfang 97 ist eine Reise des Direktors und des Koordinators für Berufsausbildung nach Kenya und Uganda vorgesehen. Ziel der Reise ist der Besuch von Ausbildungszentren und der Erfahrungsaustausch mit Schwesterorganisationen.
Wir sind sehr froh und glücklich, Feunde wie Sie mit uns zu wissen. Mit Ihrer Hilfe bemühen wir uns, für das Wohl der benachteiligten Kinder hier zu arbeiten, deren Lebensbedingungen ohne dieses gemeinsame Werk unvorstellbar sein würden.

Wir danken Ihnen allen sehr. Gott schütze Sie.

Angelika und Berend Veddeler, Deutsche Kirche
Ato Teklu Tafesse, Direktor


  • Zurück