herzliche Grüsse von der Schulgemeinschaft der German Church School in Addis Ababa.
Schon sind seit Beginn des neuen Schuljahres wieder fast drei Monate vergangen und der Schulalltag verläuft reibungslos.
Der normale Unterricht findet wie immer in zwei Schichten, morgens und nachmittags statt; auch die Abendschule und das Samstags-Studienprogramm gehen ihren vorgeschriebenen Gang.
Gegenwärtig besuchen 253 Jugendliche und Erwachsene die Abendschule; 55% davon sind Frauen, 41 der Teilnehmer sind Elternteile unserer regulären SchülerInnen.
Das Samstags-Studienprogramm fördert 267 Schüler (solche, die ab Klasse 9 die staatlichen Schulen in Addis Ababa besuchen), 147 Mädchen und 120 Jungen.
Diejenigen Schüler, die im Sommer das staatliche Abitur bestanden und herausragende Ergebnisse verzeichnen konnten, sind in den letzten beiden Wochen "platziert" worden, das heißt, sie haben einen Universitäts-oder Collegeplatz in verschiedenen Städten Äthiopiens von der staatlichen Verteilerstelle zugewiesen bekommen.
Von 32 Schülern haben 23 so gut abgeschlossen, dass sie nun mit einem Studium beginnen können. Sie werden weiterhin durch das "Extended Fostership Programm" (erweiterte Patenschaft) solange unterstützt, bis sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben.
Unsere beiden Sozialarbeiter im Social Work Office (SWO) haben auch im Jahr 2004 wieder vielen Schülern bei ihren schulischen, spirituellen, emotionalen und körperlichen Problemen beigestanden. Ihr Hauptziel ist es, den SchülerInnen in allen Belangen so zu helfen, dass sie den schulischen Anforderungen nachkommen können.Dieses Ziel wird durch folgende Massnahmen angestrebt:
- Offene Türen für die Schüler und ihre Nöte während der Unterrichtszeit
- Starke Förderung der Gleichberechtigung (Mädchen-Jungen) unter den Schülern
- Bewusstmachung der familiären Verantwortung aller Eltern für ihre Kinder, um ihnen Raum und Zeit zum Lernen zu lassen.
Besonders dieser letzte Punkt hat schon viel zur Verbesserung der Lernatmosphäre beigetragen und wird durch regelmäßige Hausbesuche zu einer festen Säule der Lernförderung.
Die Anforderungen an die Sozialarbeiter sind in den letzten Jahren durch die wachsende Anzahl von Waisenkindern gestiegen. Zur Zeit unterrichtet die Schule 55 Waisen, deren Eltern an HIV/AIDS starben. Die Kinder leben meistens in Familien von Verwandten. Das Büro der Sozialarbeiter unterhält engen Kontakt zu ihnen und versucht, die stärksten Nöte abzumildern.
Liebe Freunde, wir freuen uns, Ihnen in diesem Brief mitteilen zu können, dass wir dieses Jahr einen "Ehemaligenclub" der German Church School (German Church School Alumni Association of Graduates) gegründet haben. Es handelt sich um die Vereinigung ehemaliger GCS-SchülerInnen, die eine Berufsausbildung oder ein Studium absolviert haben und/oder berufstätig sind.
Wir haben diese Idee schon jahrelang mit uns getragen; allerdings war es gar nicht so einfach, die Leute, die in verschiedensten Tätigkeiten über die ganze Welt verstreut sind, ausfindig zu machen und zusammen zu bringen. Der Anfang wurde mit denen gemacht, die erreichbar waren, und die Zahl wird mit den jährlichen Absolventen von Universität, College oder anderen Ausbildungen wachsen.
In der ersten Vollversammlung der 15 GCS-Ehemaligen am 21. August 2004 war als einer der Sprecher auch Mr. Sisay Bekele anwesend, ehemals Schüler unserer Schule, jetzt mit Familie in Kalifornien lebend und als Arzt tätig.
Nach Addis Ababa kam er auch deshalb, um seine alte und kranke Mutter zu besuchen. Sie und die German Church School liebt er mehr als alles andere. Überglücklich machte es ihn, auf dem Mitgliedertreffen am 21. August einige Erfahrungen an die anderen Teilnehmer weiter geben zu können. Es war deutlich, dass das Treffen ihn und seine KollegInn/en tief bewegte. Darüberhinaus traf es sich, dass am nächsten Tag die Einschulung der Erstklässler stattfand, an die er folgende Worte richtete:
"Ich bin ein ehemaliger Schüler dieser Schule, bin verheiratet und habe einen 11jährigen Sohn. Im September 1979 stand ich hier, wie ihr jetzt, um mich in dieser Schule registrieren zu lassen, und hatte das Glück, aufgenommen zu werden. Zu der Zeit waren Dr. Hennrich Scheffer und seine Frau Eva Scheffer als Pastorenehepaar hier tätig. Ich war damals 10 Jahre alt. Meine Schwester hatte mich begleitet, da meine Mutter Holz sammeln und verkaufen musste, um uns zu ernähren.
Vor 25 Jahren gab es nur ein paar Klassenräume und eine kleine Hütte in der Mitte des Geländes.Ich bin beeindruckt, wie sich die Schule entwickelt hat.
Mein Pate, der mich mit Geld und Schulmaterial unterstützte, war ein Deutscher namens Dr. Andreas Michaelsen. Ich lernte im Schein einer Kerosinlampe, da wir keinen Strom hatten, aber ich gehörte zu den Besten der Schule.
Nach dem Abitur besuchte ich eine Krankenpflegeschule und machte anschließend eine Ausbildung im Öffentlichen Gesundheitswesen. Schon als Kind wollte ich Arzt werden und nun habe ich dieses Ziel erreicht und mache gegenwärtig meinen Facharzt im Verwaltungsdienst.
Es macht mich sehr glücklich, hier und heute sagen zu können, dass ich ohne diese Schule und ihre Pateneltern und Spender nie dahin gekommen wäre, denn mein Leben war so aussichtslos. Ich drücke allen Pateneltern meinen tiefen Dank aus, und ich kann ihnen versichern, dass ihr Geld im Leben vieler Kinder das gleiche positive Ergebnis wie bei mir bewirken wird: Ich habe meinen Armutsstatus hinter mir gelassen und bin heute in der Lage, selbständig und unabhängig zu leben und meine Familie und meine Mutter zu unterstützen.
Der heutige 24. August 2004 erinnert mich an meine eigene Einschulung. Ich bin überzeugt, dass viele der neuen Erstklässler von heute ab den Weg zu einer besseren Zukunft beschreiten.
Dieses neue schöne Schulgebäude zeigt überdies den Fortschritt, den diese Schule gemacht hat; ich bin sehr froh, die vielen neuen Klassenräume, die gute Lernmittelausstattung und die wunderbaren Lehrer hier zu erleben.
Von jetzt an werde ich als Mitglied der Ehemaligen-Vereinigung die GCS weiterhin tatkräftig unterstützen. Danke Euch allen. Möge Gott Euch segnen."
Wir danken Mr Sisay für sein Engagement und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg für seine persönliche Zukunft und seine Familie. Möge sein Zeugnis einen tiefen Eindruck auf viele unserer GCS Kinder machen. Wir fühlten uns durch seine Persönlichkeit und seine Worte belohnt und wünschen uns für die Zukunft immer wieder solche Lebensberichte, denn darin besteht unser Ziel. Dazu dient Ihre Unterstützung.
Zuletzt haben wir noch ein paar Informationen.
Bitte teilen Sie uns im Falle eines Umzuges Ihre neue Adresse mit. Ansonsten kommt die Post an uns zurück. Es wäre schade, wenn die direkte Verbindung zwischen Ihnen und uns deswegen abbräche. Auch wenn bei Überweisungen Ihre Adresse unvollständig ist, haben wir keine Möglichkeit zu danken.
Nun ist es soweit. Nach drei Jahren darf ich mich von Ihnen verabschieden. Im nächsten Jahr werden meine Familie und ich Äthiopien verlassen, um nach Deutschland zurückzukehren. Es hat mir sehr viel Freude gemacht, im Gemeindebüro zu arbeiten und die Angelegenheiten im Zusammenhang mit den Patenschaften und Spenden zu betreuen. Ganz besonders danke ich für den persönlichen Schriftverkehr mit Ihnen.
Meine Nachfolgerin heisst Désirée Hess, die gerne die Tätigkeit im Gemeindebüro übernommen hat.
Ihre Sylvia Spitzfaden
So wünschen wir Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr,
Ihre
Ato Teklu Tafesse, Direktor und
Gerlind und Hans-Joachim Krause, Pastor