| Die German Church School von Januar bis Mai 2004 |
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Liebe Freundinnen und Freunde der GCS!
Kanzler Gerhard Schröder in der German Church School Zuerst ungläubiges Staunen. Der Kanzler will die Kirchenschule besuchen, als einziges Spozialprojekt während seines 21stündigen Aufenthalts in Äthiopien? Man munkelt, so sei die Auswahl im Kanzleramt getroffen worden. Welche wohlmeindenden Geister bescheren uns diese Ehre...?
Dann wird's konkret. Vorbereitungsteams aus Deutschland, Sicherheitsbeamte, Protokollabklärung mit der Botschaft. Im Schulhof dagegen: aufgeregte Freude bei 200 in Schuluniform plazierten Schüler/innen unterm riesigen lichtweißen Zeltbogen im Innenhof, dekoratives Warten unsrer Kaffeezeremonie-Damen (Kassech und Sara vom Schulbüro, Senait, unsre Köchin und Hanna, einer Putzfrau) auf dem mit Gras und Blumen ausgelegten Vorplatz. Traumhaftes Kaffeearoma mischt sich mit Weihrauchduft.
Schröder kommt. Die schwarze Staatslimousine biegt so schnell durchs Tor, daß der Kanzler schon umringt von den Sicherheitsleuten vor der Kirche steht, bevor alle 16 Wagen eingetroffen sind. Der Tross aus ARD, ETV, Protokoll und Bodyguards plus Direktor Ato Teklu, Pastor Krause und Angestellten bewegt sich schnell bis in den Durchgang zur Schule, wo der Pastor dem Kanzler ein kurzes briefing über Geschichte der Kirche und Schule gibt. Es war die Kandake vor über 150 Jahren, kein Handels- oder Kriegsschiff, sondern das Schiff, das die norddeutschen Hermannsburger Missionare nach Äthiopien bringen sollte, die die Grundlagen für die Existenz der deutschen Gemeinde seit 75 Jahren eröffneten.
Der Kanzler staunt, ist interessiert. Dann schlägt ihm die Realexistenz der seit 32 Jahren bestehenden Schule entgegen. Trommeln und rhythmischer Gesang samt Kehlenlalila begleiten seinen Einzug in den Schulhof, der Platz wogt mit Bewegung. Der Troß ist auch bewegt, viele lächeln und schauen sich richtig um, der Kanzler freut sich echt. Dann spricht Ashebir Getahun, einer von den Ehemaligen: Er ist durch Polio im Kleinkindalter stark körperbehindert. "250 m von der Hütte zur Schule sind eine weite Strecke für ein Kind, das nicht laufen kann," sagt er. Seine Mutter, verbittert über sein Schicksal, habe ihn zur Schule getragen und dem Direktor weinend vor die Füße gelegt. "German Church School hat mich nicht nur Lesen und Schreiben gelehrt. Die Lehrer waren mehr als Lehrer, sie waren meine Vorbilder, Väter und Mütter. Sie haben mir meine Menschenwürde zurückgegeben." Nach einem Verwaltungsfachstudium arbeitet der 28jährige bis dato in einer Versicherungsgesellschaft. Sein Weg ist noch nicht zu Ende: Er wird bald sein arbeitsbegleitendes Studium als Informatiker abschließen. Ein Schicksal, stellvertretend öffentlich gemacht für viele andere. Die Zeitungen in Deutschland werden schreiben, dass der Kanzler sich mit dem Finger über die Augen wischte. Ja, er nimmt den jungen Äthiopier in den Arm und spricht einen Moment mit ihm. Später antwortet Schröder in der Deutschen Welle Südafrika auf die Frage eines Journalisten, was ihn auf seiner Afrikareise (Äthiopien-Kenia-Südafrika-Ghana) am meisten beeindruckt habe: Die German Church School in Addis Ababa. Er hatte nicht vorgehabt, eine Rede zu halten, aber er geht zum Pult:"Es ist beeindruckend zu sehen, wie Sie aus so Wenigem so viel für so Viele tun. Dies Beispiel zeigt, dass jeder nicht nur ein Recht auf Bildung hat, sondern auch die Fähigkeit dazu." Und: "Ich habe gehört, dass Sie eine Turnhalle hinter der Mauer bauen. Dazu geben wir Ihnen einen kleinen Beitrag von 15.000 Euro. Und wenn noch Turngeräte fehlen - ich werde mich gern dafür einsetzen." Blinde Schüler/innen singen mit dem Licht von Kerzen in ihren Händen und viel Pep im Rhythmus. "God is good, he is so good to me."Sie haben vielfach die besten Ergebnisse bei den zentralen staatlichen Schulexamina. Auch sie werden eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, denn erstaunlicherweise schreibt die Gesetzgebung eine Quote für die Beschäftigung von Blinden auf dem Arbeitsmarkt vor. Noch ein kurzer Rundgang durch die Schule, eine 13jährige GCSlerin, die Schröder eins ihrer wunderbaren Bilder für seine Tochter mitgibt, viel Kontakt mit Schülern. Der Troß drängt, die Sicherheitsbeamten auch. Schröder fährt direkt von hier zum Flughafen. Aber dann gibt's doch noch kein grünes Licht zur Abfahrt, der Kanzler steigt wieder aus und hat, auf Vorschlag der Botschafterin, sogar noch Zeit, die Kirche zu besichtigen. "Wieviel Leute kommen hier zum Gottesdienst?" "So 50, 60," antwortet der Pfarrer. "Regelmäßig?" "Ja. Und hinterher bleibt man immer noch lange zusammen."Aufs Stichwort sitzen alle blitzesschnell in den Autos, der Troß setzt sich in Bewegung. Ehrfürchtig schauen die Anwohner den knalligen Bremslichtern der Staatskarosse hinterher. Wir bleiben alle zurück, etwas fassungslos und ziemlich sprachlos. Auf dem Schulhof dagegen springt alles durcheinander. Die Schüler essen Brötchen und füttern auch ihre Lehrer. Das macht man so in Äthiopien, wenn man sich gern hat. (G.K.)Der Besuch des Kanzlers war natürlich sehr werbewirksam und hat unserer Schule gut getan. Doch schnell hat uns der Schulalltag wieder eingeholt. Nach diesem Höhepunkt möchten wir Ihnen aber auch noch das normale Leben von Meskerem Sheferaw vorstellen.
Meskerem Sheferaw: Jetzt ist sie in der 2. Klasse . Trotz der vorher geschilderten häuslichen Situation gelingt es Meskerem in der Schule am Ball zu bleiben. Mathematik gefällt ihr am besten. Später möchte sie Lehrerin oder Ärztin werden. Als neunjähriges lebhaftes und aufgewecktes Mädchen hat Meskerem viele Freunde in der Schule und in ihrem Viertel. Gerne spielt sie mit ihnen zusammen - z. Bsp. Seil springen. In ihrem Wohnviertel allerdings haben sie kaum Platz zum Miteinanderspielen, denn die Wohnungen liegen eng beieinander und haben keinen Garten. Auch die Wege dazwischen bieten kaum Spielfläche für die Kinder. Wie alle ihre Freundinnen trägt Meskerem ihren Teil zum Haushalt bei: Sie hilft ihrer Mutter beim Tee- oder Kaffeekochen und wäscht ihre Schuluniform und ihre Kleider selbst.Ein besonderes Ereignis stellen die religiösen Feiertage dar. An diesen Tagen kommen die Familienmitglieder zusammen, unterhalten sich und essen miteinander. Meist gibt es Doro wot (Hühnchen mit sehr scharfer Soße und Injera), ein besonders festliches Essen für Meskerem und ihre Familie. Da sich die Familien gegenseitig besuchen, ist dies eine Gelegenheit, Neuigkeiten von weiter entfernten Verwandten zu erfahren. Meskerem selbst bekam zu Ostern ein neues Kleid, das sie stolz den anderen zeigte. Ein weiterer Höhepunkt am Ostersonntag war der Film, der im Versammlungsraum des Stadtvietel gezeigt wurde und den Meskerem mit ihren Freundinnen ansehen durfte. So sind es hier in Äthiopien diese Anläße, die Entspannung im Alltag garantieren und die Lebensfreude immer wieder ermöglichen. An dieser Stelle sprechen wir unseren Dank für Ihr regelmäßiges und hilfreiches Engagement als Paten oder SpenderInnen aus. Ohne diese Unterstützung wären viele Aktivitäten an der Schule für die Kinder nicht möglich. Wieder möchten wir die obligatorische Bitte aussprechen: Bitte teilen Sie uns im Falle eines Umzuges Ihre neue Adresse mit. Ansonsten kommt alle Post an uns zurück.Es wäre schade, wenn die direkte Verbindung zwischen Ihnen und uns deswegen abbräche. Auch wenn bei Überweisungen Ihre Adresse unvollständig ist, haben wir keine Möglichkeit, Ihnen zu danken. Zuletzt möchten wir Ihnen mitteilen, dass sich die Telefonnummern geändert haben. So sind wir jetzt unter folgenden Telefonnummern 0251-1-22 00 60 oder 23 44 52 und unter der Faxnummer 0251-1-22 30 82 zu erreichen. Die beiden email-Adressen lauten: german_church@yahoo.co.uk und gcschool@telecom.net.et Für heute grüßen wir Sie herzlich, wünschen Ihnen alles Gute und Gottes Segen IhreAto Teklu Tafesse, Direktor und |