| Die German Church School von Mai bis Dezember 2003 | |||
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Liebe Freunde!
Herzliche Grüße aus der German Church School in Addis Ababa, Äthiopien! Schon sind wieder drei Monate vergangen, seit die German Church School ihr neues Unterrichtsjahr 2003/04 (nach äthiop. Kalender 1996) begonnen hat.Zu Beginn dieses Schuljahrs wurden 76 Kinder neu aufgenommen, verteilt auf 2 erste Klassen. Auch im Vorbereitungskurs des integrierten Programms bereiten sich 3 neue blinde Schüler auf die Teilnahme am Regelunterricht der 1. Klasse vor, indem sie die amharische und englische Sprache in Wort und Schrift und die Anfangsbegriffe anderer Fächer (Rechnen, Erdkunde etc.) im Braille-System erlernen, dazu kommt ein Mobilitäts-Training und Anwendung von Fertigkeiten des täglichen Lebens. Nach der Einführungszeit lernen diese Blinden im Klassenverband mit den Sehenden. Am anderen Ende der Skala stehen unsere "10+2-Schüler", so genannt, weil nach der 10. Klasse die Regierung nur die besten Schüler zum Abitur zulässt, d.h., nach Abschluss der 12. Klasse erfolgt das Zentralabitur mit den gleichen schriftlichen und mündlichen Prüfungsfragen für alle äthiop. Abiturienten. Dabei haben unsere GCS-Schüler sehr gute Abschlüsse erzielt und können nun verschiedene Colleges oder Universitäten in Addis und außerhalb belegen, je nach Studienrichtung. Wir führen den guten akademischen Erfolg darauf zurück, dass wir es bei dieser Gruppe von Schülern mit den ersten zu tun haben, die nach der Aufstockung unserer Schule von Klasse sechs auf Klasse acht die Schuljahre 7 und 8 in der GCS absolvierten. Die Ergebnisse beweisen, dass die direkte pädagogische Betreuung durch die GCS über zwei weitere Jahre einen entscheidenden Einfluss auf das Lernverhalten der Schüler im kritischen Alter erzielt hat, ganz wie es die Entscheidungsträger (das Ratsgremium aus Pastoren, Lehrern und Kirchenvorstand) damals vorausgesagt hatten.
Wondwosen erzählt uns weiter aus seiner Vergangenheit. Wisst ihr, ich mag den Bibelvers, der sagt, dass die Furcht des Herrn der Anfang der Weisheit ist (Prediger 1,7). Menschen tun viel Böses, weil sie Gott nicht anerkennen. Er hat mich aus vielen Gefahren gerettet. Ich liebe auch das Sprichwort 'Ich kann - weil ich kann.' Ich möchte die Vergangenheit hinter mir lassen und daran glauben, dass die Zukunft besser ist." Trotz seiner schweren Belastungen ist Wondwosen immer einer der besten seiner Klasse gewesen. Und er hat noch immer nicht den geringsten Zweifel an seinem zukünftigen Erfolg. Sein größtes Ziel ist, die Uni zu beenden, Rechtsanwalt zu werden und seine Mutter, seine jüngere Schwester und sein Land Äthiopien zu unterstützen. Wir hoffen mit ihm, dass sein Traum wahr werde, denn er hat schon viel Schweres erlebt und ist bereit, hart für sein Ziel zu arbeiten.Wondwosen und seine Klassenkamerad/inn/en werden unseren Richtlinien zufolge solange durch das erweiterte Patenschafts-Programm unterstützt, bis sie ihre Studien oder Ausbildungen beendet haben. Die andere Gruppe der 10+2 Schüler, die Ausbildungen in verschiedenen Bereichen absolvieren, befinden sich gegenwärtig in einer Art Praktikum, wie es die entsprechenden Schulen vorschreiben. Das Leben der meisten Schüler der GCS ist durch schwere Armut geprägt. Deshalb ist eins unserer Hauptziele, ihnen das Bewusstsein zu geben, dass sie eines Tages selbstständige Menschen sein werden. Es ist nicht leicht, dieses Selbstbewusstsein zu schaffen, aber es ist der Mühe wert. Um dies Selbstwertgefühl zu fördern, wurde eine Sozialberatung (Social Work Office, SWO) mit zwei Mitarbeitern, männlich und weiblich, an der Schule eingerichtet, die sich der zahlreichen Familien- und Sozialprobleme annehmen, sowohl praktisch durch Beratung und Hausbesuche, als auch im fest integrierten Ethikunterricht der GCS. Zusätzlich zu den wirtschaftlichen und psychologischen Problemen wird auch HIV/AIDS ein immer drängenderes Thema an der Schule. Nun gibt es den Anti-HIV/AIDS-Club, der von den Schülern selbst unter Anleitung des SWO läuft und durch regelmäßige "Mini-Media"-Aktionen in den Pausen (Sketche, Lieder, Ansprachen) immer mehr Bewusstsein für das Problem und Verhaltensänderung schaffen soll.
Für all das haben wir keine fertigen Lösungen, sondern arbeiten mit kleinen Schritten auf eine Erleichterung oder Einsicht hin. Unser Ziel bleibt, mit den Schülern und ihren Familien gemeinsam den Weg der Problemlösung zu gehen, die Wurzel zu finden und dadurch Selbsthilfe zu fördern.
Deshalb haben wir trotz der vielfältigen Probleme, denen wir jeden kommenden Tag ausgesetzt sind, eine Menge Erfolgs-Stories zu erzählen. Sie geben uns Kraft, heute und morgen weiter zu machen.
Mit den herzlichsten Wünschen für ein frohes Weihnachtsfest und ein gesundes, friedvolles Neues Jahr Ato Teklu Tafesse, Direktor und ![]() |