Die German Church School von Januar bis Mai 2002
 
Liebe Freundinnen und Freunde der GCS!

Mitten in den Vorbereitungen zur 30-jährigen Geburtagsfeier unserer Schule, die vom 31. Mai bis zum 2. Juni 2002 stattfinden wird, möchten wir alle - die MitarbeiterInnen der Kirche und Schule Sie herzlich grüßen.

30 Jahre - eigentlich kein Alter, um richtig zu feiern. Aber der äthiopische Kontext zwischen Hunger und Kriegen und vielen anderen Schwierigkeiten veranlaßt uns schon sehr, mit Dankbarkeit und großer Freude zurückzublicken. Aus kleinsten, mühsamen Anfängen hat sich das Sozialprojekt der deutschsprachigen Gemeinde zu einer stattlichen äthiopischen Schule entwickelt. Vor 4 Jahren ist das neue Schulgebäude eingeweiht worden. Seit gut 2 Jahren sind neben der "normalen" Arbeit die Fragen aufgetaucht: "wie können wir den Kontakt zu den Elternhäusern noch verbessern?" und "wie kann die Pädagogik noch hilfreicher im Schullalltag umgesetzt werden?". Die LehrerInnen und besonders die beiden äth. SozialarbeiterInnen gehen diesen Fragen intensiv und geschickt nach.

Diesmal möchten wir wieder persönliche Lebensläufe einiger Schüler und Schülerinnen der German Church School vorstellen. Es ist schon beeindruckend, wie trotz der sehr armen Verhältnisse die Kinder und ihre Familien ihr Leben bewältigen:

Kidist Asrat, 11 J. alt:

Kidist

Kidist besucht momentan die 5. Klasse. Im Alter von 9 Jahren starb ihre Mutter, die bis dahin für sie beide sorgte, denn sie hatte eine Stelle als Angestellte in einem Haushalt. Nach dem Tod ihrer Mutter wurde Kidist von der Familie aufgenommen,bei der vorher ihre Mutter arbeitete. Kidist kennt ihren Vater nicht, der sich auch nicht um sie kümmert.

Trotz dieser Erfahrungen ist Kidist ein fröhliches und aufgewecktes Kind. Sie geht gerne in die Schule, wobei sie die Fächer Englisch und Mathematik am liebsten mag. Zudem erzielt sie gute Leistungen und ist sehr engagiert in der Schule. Sie schätzt es sehr, daß die Lehrer sich die Zeit nehmen und SchülerInnen mit Lernschwä-chen besonders unterstützen. Auch genießt Kidist die tägliche Schulmahlzeit sehr, denn sie füllt den Magen und gibt die nötige Energie, um das tägliche Lernpensum zu schaffen.

In ihrer Freizeit liest sie viele Bücher, ist aber auch gern mit ihren Freundinnen zusammen.

Ihr größter Wunsch ist es, einmal Ärztin zu werden.

 
 


Yeshiwork Ayano, 22 J. alt:

Yeshiwork

Auch Yeshiwork weiß von einem ähnlichen Schicksal zu berichten, denn vor 5 Jahren starb ihr Vater. Jetzt lebt sie mit ihrer Mutter, zwei Schwestern und einem Bruder in sehr engen und einfachen Verhältnissen zusammen. Da ihre Mutter kein regelmäßiges Einkommen hat und ihre Geschwister noch zur Schule gehen, sind die Mittel zur täglichen Lebensbewältigung sehr knapp.

Yeshiwork ist jetzt das erste Jahr, in dem allgemeine Fächer vertieft werden, an der Universität in Addis Abeba. Ab dem nächsten Semester möchte sie dann Pharmazie studieren und später Apothekerin werden. Daß sie einen Studienplatz bekommen hat, verdankt sie ihrem enormen Fleiß und - wie sie selbst sagt - der German Church School. "Durch diese Schule habe ich die notwendige Grundlage für mein Leben bekommen," äußert sie anerkennend und dankbar. An der GCS war sie Jahrgangsbeste und ist auch an der Universität eine herausragende Studentin. Und während ihrer Schulzeit am Gymnasium engagierte sie sich in der Schülervertretung.

Bleibt ihr neben dem Studium Zeit, dann geht sie in die Kirche. Auch liest sie viel und ist sehr an der Kultur und Geschichte Äthiopiens interessiert, weshalb sie gelegentlich in die Museen Addis Abebas geht.

 

Geletaw Mulu, 18 J. alt:

Geletaw

Geletaw ist blind seit seinem 10. Lebensjahr. Als er damals an beiden Augen erkrankte, brachten ihn seine Eltern zu einem traditionellen Heiler. Aber er wurde nicht gesund, sondern erblindete auf beiden Augen. Vor ein paar Jahren kam sein Vater mit ihm aus dem Norden Äthiopiens zu einer weiteren ärztlichen Untersuchung nach Addis Abeba. Als sein Vater erfuhr, daß eine Heilung aussichtslos sei, brachte er Geletaw zu einem sehr nahestehenden Verwandten in Addis, damit Geletaw hier zur Schule gehen könnte. Seine Verwandten konnten ihrer Verantwortung nicht nachkommen. Geletaw mußte hungern und hatte keinen Platz zum Schlafen. Das Schlimmste war, daß sie von ihm verlangten auf der Straße zu betteln. Diese Umstände führten zu ernsthaften Problemen in der Schule. Daraufhin nahm ihn die GCS auf. Jetzt lebt er mit anderen blinden Studenten, die aus ähnlichen Lebensverhältnissen kommen, in einem von der GCS gemieteten Haus. Mit der veränderten Lebenssituation hat er seinen Tiefpunkt überwunden, denn in der Schule, die er jetzt besucht, ist er ein guter Schüler und hat das Amt des Schülersprechers übernommen. Ihm liegt das Fach Staatsbürgerkunde sehr und er möchte gern Jurist werden.

Er hofft, daß er dieses Ziel erreicht. Denn dadurch kann er zeigen, wie dankbar er für die Unterstützung der GCS ist und wie erfolgreich sich diese auf sein Leben ausgewirkt hat.

 





Desta Addis, 16 J. alt:

Desta

Desta ist in Gondar - im nördlichen Teil Äthiopiens - geboren und aufgewachsen. Im Alter von zwei Jahren erblindete sie. Als sie sieben Jahre alt war, nahm sie eine Tante mit nach Addis, damit Desta eine fortschrittliche und für sie passende Schulbildung erhält.

In Addis lebte sie zuerst mit ihrer Tante zusammen und half ihr beim Brauen von Areke, einem traditionellen und stark alkoholhaltigen Getränk. Kurze Zeit später hörte dann ihre Tante, daß die GCS Kinder aus armen Familien aufnimmt und blinden Kindern den Schulbesuch ermöglicht. Desta wurde daraufhin in die Schule aufgenommen. Momentan besucht sie die 8. Klasse und nimmt an der Arbeitsgruppe HIV/Aids teil. Ihre Lieblingsfächer sind Englisch und Geographie.

Später möchte sie entweder als Geographie-lehrerin oder als Juristin arbeiten. Ihr gefällt es sehr gut an der Schule, weil zum einen die geeigneten Unterrichtsmaterialien vorhanden sind und zum anderen blinde und sehende SchülerInnen gleich behandelt werden.

 






Kidist und Geletaw gehören zu den SchülerInnen, die von den SozialarbeiterInnen häufig betreut werden: Kidist ist noch sehr jung und fühlt sich manchmal in ihrer Familie nicht voll akzeptiert. Geletaw benötigt viel Zuspruch und Rat. Auch wird er durch die GCS mit dem Lebensnotwendigsten versorgt, denn seine Verwandten sind nicht in der Lage, ihn zu unterstützen. Aber die Schule ist sehr glücklich, daß sie benachteiligte SchülerInnen begleiten und ihnen gegebenenfalls unter die Arme greifen kann.

Dies alles ist nur möglich, weil Sie, liebe Paten und SpenderInnen, so treu und zuverlässig hinter uns stehen. So möchten wir unseren tiefempfundenen Dank an Sie richten.

 
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GOOD BYE

Nach zwei Jahren Mitarbeit im Büro der GCS muß ich mich leider schon wieder bei Ihnen, liebe Freunde der GCS, verabschieden. Die Arbeit in der GCS und der Kontakt mit Ihnen hat mir viel Spaß gemacht. Das Land Äthiopien nach 11 Jahren zu verlassen fällt mir nicht leicht. Viele gute Erfahrungen, Begegnungen und Bilder werden mich begleiten.

Ihre Elisabeth Domianus

WELCOME

An dieser Stelle darf ich Sie als neue Mitarbeiterin im Gemeindebüro begrüßen. Vor knapp zwei Jahren sind wir hier in Äthiopien mit grosser Neugierde angekommen, denn mein Mann hat eine Stelle beim Deut. Entwicklungsdienst begonnen. Seitdem leben wir mit zwei Töchtern in Addis Ababa. Als Frau Domianus für eine sehr lange Zeit in Deutschland weilen mußte, hat mich Pastor Krause im letzten Jahr angesprochen, ob ich nicht aushelfen möchte. Daraus ist nach etwas längerer Anlaufzeit unerwartet eine Nachfolge geworden. So freue ich mich auf die zahlreichen Kontakte mit Ihnen.

Ihre Sylvia Spitzfaden

 
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Noch eine herzliche Bitte möchten wir aussprechen. Bitte teilen Sie uns im Falle eines Umzuges doch Ihre neue Adresse mit. Ansonsten kehren die Rundbriefe an uns zurück. Es wäre schade, wenn die direkte Verbindung zwischen Ihnen und uns wegen einer unbekannten Adresse unterbleiben müsste.

Auch wenn bei Überweisungen Ihre Adresse unvollständig ist, haben wir keine Möglichkeiten Ihnen zu danken.

 

Mit herzlichen Grüßen verbleiben wir

Ihr

Ato Teklu Tafesse, Direktor und
Hans-Joachim Krause, Pastor


 
 
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