Während unserer Urlaubsreise nach Äthiopien Anfang Februar 2005 nutzten wir die Gelegenheit, um der German Church School einen Besuch abzustatten. Drei Jahre war es her, daß ich die Schule besucht hatte, damals zum 30jährigen Jubiläum. In diesem Jahr reiste erstmalig Andrea, meine Frau, mit.
Wir waren gespannt, welche Entwicklung die Schule seitdem genommen hatte, zumal sie im letzten Jahr zweimal hohen Besuch empfangen durfte: erst Bundeskanzler Schröder im Jänner 2004 und im Dezember 2004 die Frau des Bundespräsidenten, Frau Köhler. Beide Persönlichkeiten sind durch das, was sie erlebt haben, tief bewegt gewesen, das wurde uns durch Pfarrer Krause und Ato Teklu, dem Schuldirektor, bestätigt.
Die Aufmerksamkeit, die die Schule durch diese Besuche erfuhr, hat ihrer Arbeit gut getan: alle Kinder konnten in Patenschaften vermittelt werden und der Bau der Turnhalle auf dem benachbarten Jan-Meda-Feld wird bis Juli 2005 dank der finanziellen Hilfe des Kanzlers vollendet sein - sofern keine unvorhergesehenen Hindernisse auftauchen.
Diese vorübergehende Entlastung der finanziellen Situation gibt Gelegenheit, ein Projekt in den Blick zunehmen, das schon seit einiger Zeit in kleinem Maße läuft, aber mangels Finanzen nicht erweitert werden konnte.
Auf Grund der traurigen Ernährungssituation der Schüler hatte die Schule 2001 begonnen, neben der täglichen Mahlzeit einmal pro Woche (donnerstags) für die Schüler der 1.-8. Klasse einen halben Liter Milch auszugeben.
Es hat sich herausgestellt, daß diese zusätzliche Ernährung eine leichte Verbesserung der Gesundheitssituation der Schüler bewirkt hat. Doch um den Kindern die nötigen Nährstoffe zuzuführen, wäre eine tägliche Milchgabe dringend empfehlenswert.
In unserem Gespräch mit dem Schuldirektor haben wir die Idee entwickelt, daß es sehr gut wäre, einen Milchfonds zu gründen.
Die derzeitige Haushaltslage der Schule würde jetzt den Versuch ermöglichen, diesen Milchfonds einzurichten. Es gilt also die Gunst der Stunde zu nutzen!
Was wird gebraucht?
Die Milch wird von einem Milchhof in Addis geliefert (wodurch zugleich auch die Wirtschaft des Landes ein wenig unterstützt wird).
In die Klassen 1-8 gehen ca. 600 Schüler. Folglich werden derzeit 300 Liter Milch pro Woche ausgegeben. Dafür muß die Schule 600 Birr monatlich bezahlen, das entspricht 60 Euro pro Woche.
Würde die Milchgabe jeden Schultag erfolgen (Mo-Fr), wären also 300 Euro oder 3000 Birr pro Woche erforderlich oder ca. 10800 Euro im Jahr (die Schulferien abgerechnet).
Freilich wäre es schon ein Fortschritt, wenn die Kinder wenigstens zweimal pro Woche Milch bekämen, das soll zunächst ins Auge gefaßt werden.
Deswegen möchten wir Ihnen ans Herz legen, die Einrichtung eines solchen Milchfonds mit zu unterstützen. An dieser Stelle erscheint uns eine kontinuierliche Unterstützung, die wirklich an der Stelle ansetzt, an der sehr armen Menschen, denen es am nötigsten fehlt und für die eine kleine Unterstützung bereits sehr viel ist, deutlich geholfen wird.
Auch bei unserem diesmaligen Besuch konnten wir wieder feststellen, da wir auch andere Projekte sahen, wie einmalig und effektiv das Modell der German Church School hilft. Wir besuchten ein Patenkind (von Pateneltern aus Stendal) in seiner Wohnung, in der das kleine Mädchen mit seiner Mutter und Schwester lebt. Da der Vater nicht mehr bei der Familie ist, sorgt die Mutter allein für ihre beiden Kinder. Sie verdient ihren Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten. Der Teil des Patengeldes, der an die Familie direkt geht, trägt zu einem großen Teil zum Überleben der Familie bei. Auch die tägliche Essensgabe bedeutet eine große Hilfe für die kleine Familie. Die junge, hübsche und sehr freundliche Mutter zeigte eine ganz natürliche Dankbarkeit, als wir sie zusammen mit dem Schulleiter, Ato (Herrn) Teklu besuchten. Über die Sozialarbeiter der Schule geht der Kontakt auch in die häuslichen Lebensverhältnisse der Kinder hinein, offenbar auf positive Weise. Das ist durchaus nicht bei allen Hilfsprojekten der Fall.
Wir haben uns gefreut, zu sehen, dass es der Schule momentan materiell gut geht, es geht vorwärts und weiter. Leider mußten wir bereits mehrmals feststellen, dass Childrenīs Care Projekte, die z.T. von größeren Hilfsorganisationen betreut werden, reduziert werden müssen, weil die Planung der betreffenden Organisation schwerpunktmäßig geändert wird.
Deshalb freuen wir uns ganz besonders, dass wir feststellen konnten, daß jede Hilfeleistung sinnvoll "am anderen Ende" ankommt, nämlich direkt bei denen, die es so nötig haben. Mit jeder Gabe für die Schule helfen Sie direkt einem unter Armut leidendem Menschen!
Darum danken wir, auch im Namen der Schule, allen ausdrücklich, die durch ihr Engagement dazu beitragen, daß über den medienträchtigen Katastrophen dieser Zeit nicht diejenigen vergessen werden, die schon seit Generationen leben, leiden und sterben, ohne das jemand Notiz davon nimmt, die aber unsere Hilfe nicht minder nötig haben.
Pfarrer Gerhard Reuther und Andrea Pawlitzki